So sehen theo-Paten aus

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Mario Filsinger
Bad Zwischenahn

Mario Filsinger, 34, ist Mediengestalter und Heilpraktiker mit den Schwerpunk ten »Stressassoziierte Erkrankungen«, seit 2011 studiert er Theologie im Fernkurs, um später seelsorgerisch zu arbeiten. Die Erfahrungen in seinen verschiedenen Berufen will Filsinger bündeln und sie einfließen lassen in eine ganzheitliche Arbeit am und für den Menschen, ohne Ideologien und esoterische Heilslehren. theo hat Mario Filsinger ein paar Fragen gestellt:

Ihr Werdegang führte Sie von außen nach innen:
erst die äußere Form, die Gestal tung, dann das
Therapeutische im Innen und Außen und jetzt
das rein Geistige, die Theologie im Fernkurs.
War das beabsichtigt oder eher Zufall?

Gute Frage. Es hat sich so entwickelt, viel-
leicht sogar als logischer Weg hin zum
Menschen. Dessen Wege sind ja selten
gerade. Nach ein paar Jahren im Kultur –
bereich und  der Ausbildung zum Me –
dien gestalter habe ich ein Jahr lang als lei-
tender Redakteur bei einem Printmagazin
gearbeitet. Was ich dort als Triebkraft hin-
ter vielen Dingen wahrgenommen habe,
wollte ich nicht lernen. Geld ist für den
Menschen da, nicht umgekehrt.
Außerdem: wer möchte sein Leben lang
vor dem Computer verbringen? Langsam
kam die alte Leidenschaft »Mensch« wie-
der hoch und mit 31 begann ich eine
Heilpraktiker-Ausbildung und schloss sie
erfolgreich ab. Spätestens mit der ganz-
heitlichen Betrachtung des Menschen
kommen die nicht-naturwissenschaftli-
chen ersten und letzten Fragen auf. Die
naturheilpraktische Tätigkeit hat selten
einen seelsorgerischen Aspekt, aber genau
den würde ich gerne fundiert bedienen.

Was waren bisher Ihre wertvollsten
Erfahrungen auf Ihrer Reise durch die verschie-
denen Berufungen?
Veränderung ist möglich und sinnvoll.
Abseits der fragwürdigen Empfehlung
mancher Karriereberater nach einer ver-
bindlichen Berufsentscheidung für das
Leben lassen sich die Dinge verbinden.
Vielleicht erwächst sogar etwas Neues dar-
aus.

Als Heilpraktiker haben Sie den Schwer punkt
Stressreduktion für Sozial- und Kreativberufe
gewählt. Greifen Sie da auf eigene Erfahrungen
zurück?
Selbstredend. Das kreative Arbeiten ist
anders als der Verwaltungsjob, eher ent-
grenzt. Da heißt es: bei Gelegenheit gera-
de sitzen, ab und zu schlafen, mal was
essen. Das muss als Prophylaxe reichen.
Gern wird das Kreative idealisiert. Das
hippe, tolle Arbeiten im Loft mit Elb- oder
Spreeblick. Und die Realität?
Jugendwahn, Zeitverdichtung und häufig
genug geringe Wertschätzung den kreati-
ven Prozessen gegenüber sind nervenrau-
bende Faktoren.Meiner Meinung nach
liegen der aktuellen Burnout-Begeis te –
rung nicht nur erhöhte Arbeitsbe las –
tungen zugrunde, sondern häufig auch
chronisches Sinndefizit. Möglicherweise
ist Leben vor dem Bildschirm nicht so
erfüllend, wie es die Lifestyle-Propaganda
behauptet.

Woran fehlt es dem modernen Menschen Ihrer
Meinung nach am meisten?
Die Debatte um den modernen Menschen
und seine vielfältigen, zumindest gefühl-
ten Defizite ist ja nicht neu. Ich denke,
dass die soziale Disintegration der
Moderne weniger Gutes vollbracht hat, als
die Jungendbewegungen der Sechziger
sich das ursprünglich vorgestellt haben.
Spätestens der Existenzialismus, der die
zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts maß-
geblich geprägt hat, geht aus von bin-
dungsloser Freiheit des Menschen. Ohne
Anbindung, Hoffnung, Sinn: der einsame
Mensch. Eine furchtbare Freiheit! Meine
persönlichen Empfehlungen: Gelassen –
heit, Humor, Demut, Gottvertrauen. Das
rechte Maß halten, Verantwortung über-
nehmen. »Ja« und »Nein« unterscheiden
und äußern zu können.

Was denken Sie als Therapeut, könnte den
»Patienten« katholische Kirche beleben?
Welche Therapie würden Sie verordnen?
Ich sehe den »Klienten« als sehr lebendig
an! »Er« befindet sich anscheinend gerade
zumindest in Deutschland in einer Über-
gangsphase. Vielleicht würde etwas Ge –
lassenheit beizeiten hilfreich sein?
Ansonsten fehlt mir höchstwahrschein-
lich die Kompetenz bei der Beurteilung
und Beratung zweitausend Jahre junger
Organisationen.

Was mögen Sie persönlich am christlichen
Glauben?
»Das Haus meines Vaters hat viele
Wohnungen.« Der Mensch wird ange-
nommen wie er ist. Umkehr und Buße
sind möglich. Es gibt konkrete Hoffnung,
eine tiefe, westliche Spiritualität, die
Antworten geben kann für den ganzen
Menschen. Die Beichte ist meiner Ansicht
nach die reinste und ehrlichste Form von
Psychotherapie. Wer sich einmal freidenkt
von den Verfehlungen Einzelner und der
Vergangenheit, der findet Wert volles und
Schönes in der Kirche. Wieviel Poesie liegt
in Sätzen wie »Ich bin nicht würdig, dass
Du eingehst unter mein Dach. Aber sprich
nur ein Wort, so wird meine Seele
gesund?« Niemand muß sich flüchten in
kostspielige, fragwürdig-esoterische
Sinnfindungsangebote, die eher abhängig
machen als wirklich zu befreien.

Was ist für Sie die wichtigste Botschaft des
Christentums?
Es gibt einen konkreten Anlass zur
Hoffnung. Und sie macht Sinn. Das Böse
wird nicht gewinnen.

Sie sind 2011 theo-Pate geworden. Was mögen Sie
besonders an theo? Und warum wollen Sie hel-
fen, theo zu verbreiten?
theo ist meines Wissens nach die einzige
überregionale katholische Publikation,
die ästhetisch viel hermacht, inhaltlich
Tiefgang und Vielfalt besitzt. Das sollte es
doch zu verbreiten gelten.  //

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