Glückwunsch – mit 85 noch im Weinberg des Herrn

Pater Georg Maria Roers SJ

Pater Georg Maria Roers SJ

 

Am 19. März 2012 sendet Radio Vatikan: »Papst Benedikt XVI. hat am Montag in aller Stille seinen Namenstag als Joseph Ratzinger begangen. Der Namenstag des jeweils amtierenden Papstes ist im Vatikan ein offizieller Feiertag, an dem alle Angestellten dienstfrei haben.«

Eigentlich merkwürdig, denn als Papst trägt er doch seit 2005 einen neuen Namen. Diesen Namen hat er ganz bewusst angenommen. Benedikt XV., der vor 90 Jahren starb, war ein Friedenspapst. Aber auch der ursprüngliche Gedenktag des Hl. Benedikt wäre gar nicht so weit weg gewesen, nämlich einen Tag nach Frühlingsanfang. Zwei Bauernregeln lauten daher: »Sankt Benedikt den Garten schmückt.« Oder »Willst Du Gersten, Erbsen, Zwiebeln dick, so säe an Sankt Benedikt.« Jetzt spricht also Benedikt XVI. seine erste Botschaft, gerade einen Tag lang Papst – drei Tage zuvor hatte er
seinen 78. Geburtstag gefeiert: »Die Kirche von heute muss in sich das Bewusstsein ihrer Aufgabe schärfen, der Welt die Stimme dessen anzubieten, der gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben weiß der neue Papst, dass es seine Aufgabe ist, vor den Männern und Frauen von heute das Licht Christi leuchten zu lassen: nicht das eigene Licht, sondern das Licht Christi.«

Damals war ich in Rom – eine Romreise ist immer etwas Besonderes. Aber die Inthronisation eines Papstes vor der mächtigen Fassade von St. Peter miterlebt zu haben, das werde ich in bester Erinnerung behalten. 40 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erhält ein deutscher Kurienkardinal nach 482 Jahren das Pallium und den Fischerring. Darüber sprach der Hl. Vater, als er auf dem Petersplatz seine erste Messe als Papst, also »Papstprimiz« feierte. Mit dem Namen Benedikt spielt er auch ganz bewusst auf den ältesten Orden der katholischen Kirche an. Seit Innozenz III. führt der Papst den Titel Stellvertreter Christi. Der Selige Johannes Paul II. hat die katholische Kirche ins 21. Jhd. geführt. Die Anteilnahme bei seiner Beisetzung war noch stark zu spüren, als Benedikt XVI. zu uns deutschen Pilgern am 24. April 2005 in der großen Audienzhalle sprach: »Die Kirche ist gar nicht alt und unbeweglich. Nein, sie ist jung. Und wenn wir auf diese Jugend schauen, die sich um den verstorbenen Papst und letztlich um Christus scharte, für den er eingestanden war, dann wurde etwas nicht minder Tröstliches sichtbar: Es ist gar nicht wahr, dass die Jugend vor allem an Konsum und an Genuss denkt. Es ist nicht wahr, dass sie materialistisch
und egoistisch ist. Das Gegenteil ist wahr: Die Jugend will das Große. Sie will, dass dem Unrecht Einhalt geboten wird. Sie will, dass die Ungleichheit überwunden und allen ihr Anteil an den Gütern der Welt zuteil wird. Sie will, dass die Unterdrückten ihre Freiheit erhalten. Sie will das Große. Sie will das Gute. Und deswegen ist die Jugend – seid Ihr – auch wieder ganz offen für Christus. Christus hat uns nicht das bequeme Leben versprochen. Wer Bequemlichkeit will, der ist bei ihm an der falschen Adresse. Aber er zeigt uns den Weg zum Großen, zum Guten, zum richtigen Menschenleben.«

Wie viele andere Begeisterte, gratulierte ich Benedikt XVI. damals im Namen der Künstlerinnen und Künstler
der Erzdiözese München und Freising, deren Seelsorger ich zehn Jahre lang war. Seit dieser Messe in Rom sind nun sieben Jahre vergangen. »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben«, so heißt es in dem Gedicht Stufen von Hermann Hesse. Auf welcher Stufe steht der Papst heute? Mittlerweile ist er als Pilger der Hoffnung nach Mexiko und Kuba gereist. Auf dieser 49. Reise ins Inland und Ausland standen u.a. Themen wie Drogenkrieg und Korruption auf der Agenda. Leider gibt es Kriminalität aber nicht nur außerhalb der Kirche. Im März wurden die Ergebnisse der Apostolischen Visitatoren im Vatikan bekannt gegeben, die die schrecklichen Missbrauchsfälle in Irland untersuchten. Die Mailänder Filiale von JP Morgan schließt Ende März ein Konto der Vatikan-Bank Dior, weil Verdacht auf Geldwäsche besteht. Das Schisma mit den Piusbrüdern scheint nun wohl doch nicht aufgehoben zu werden. In letzter Zeit sind zudem aus dem Vatikan immer wieder vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert, weshalb der Papst Ermittlungen auf allen Ebenen des Hl. Stuhls eingeleitet hat. Das sind nur einige der internen Probleme des Vatikans. Die Herausforderungen für die Kirche in der Welt sprengen diesen Rahmen.

Die begeisterten Benedetto-Rufe auf dem Petersplatz von damals bleiben mir unvergesslich – zum 85. Geburtstag wünsche ich auch im Namen der theo-Redaktion Papst Benedikt XVI. weiterhin viel Kraft, Gesundheit, Ausdauer und Gottes reichen Segen. Während die meisten Menschen schon mit 65 in Rente gehen, hat dieser Mann einen Berg von Arbeit zu bewältigen, Tag für Tag. Und das seit sieben Jahren! Die sieben Berge der Hl. Stadt haben einen weiteren hinzubekommen. //

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