Theo-Paten 03: Markus Bollen

Markus Bollen. Theopoat

Markus Bollen. Theopate

Markus Bollen, 51, ist Fotograf, verheiratet. Er hat vier Kinder und lebt in Köln

Du kommst als Fotokünstler viel herum, bist nach eigenen Angaben auch offen für buddhistische Erfahrungen, was speziell interessiert Dich am christlichen Glauben?

Der barmherzige Gott, der für seine Kinder sorgt. Das ist eine schöne Erfahrung. Meine Lieblingsstelle im Matthäus-Evangelium: Kapitel 7, 7-11 »Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!« Das ist so einfach und vermutlich doch nur für Kinder nachzuvollziehen. Erwachsene glauben nicht daran, probieren es nicht einmal aus. In meiner Selbständigkeit ging es nicht immer nur bergauf, aber der Glaube daran, dass in schlechten Zeiten es irgendwann wieder bergauf geht, dass mein himmlischer Vater mich nicht im Stich lässt, hat sich immer bewahrheitet; wenn man diese Erfahrung nur immer verinnerlichen könnte.

Du bist Vater von vier Kindern. Welchen Glauben vermittelst Du Ihnen?
Weil wir im christlichen Kulturkreis leben, denke ich, sollten die Kinder auch darin die Basis ihres Glaubens finden. Alle Kinder sind getauft, haben von Vater oder Mutter als Katecheten sich auf die Kommunion vorbereiten lassen, die beiden Großen sind gefirmt. Auf der anderen Seite bin ich offen und will auch meinen Kindern diese Offenheit vermitteln. Jeder soll seinen Weg zu Gott finden. Es gibt nicht den einzig wahren, nur einen richtigen Weg. Wo das behauptet wird, fängt Intoleranz an. Wo hingegen Toleranz herrscht, kann jeder sich entfalten und anderen genügend Freiraum zur Entfaltung lassen. Das halte ich für wichtig.

Wie stehen Deiner Meinung nach Religion und Kunst zueinander?
Das neue Testament ist voller Gleichnisse, Bilder in Worten. Die Kunst sucht das Göttliche in ihrer jeweiligen Formensprache. In meiner Fotografie findet es sich in der genauen Beobachtung der Natur, der ihr inne wohnenden Harmonie, einer Perfektion, wie sie der Mensch nicht schaffen kann. Kunst will immer auch auf eine Wahrheit hinweisen, zum Reflektieren anregen, in meiner Arbeit zum genaueren Beobachten. Religion sind die geistigen Konzepte, mit denen der Mensch sich seit jeher die Welt zu erklären versucht hat. Nur im Buddhismus gibt es keinen Glauben, sondern nur das Hinweisen auf die eigene Wahrheit. Jeder Mensch muss herausfinden, was für ihn persönlich zutrifft, was ihm/ihr weiterhilft.

Mangelt es in der Kirche an Kreativität?

Wie 1989 der Ruf »Wir sind das Volk« Unglaubliches bewegt hat, sollten die Gläubigen heute erkennen: »Wir sind die Kirche« und etwas machen – so wie z.B. dieses schöne Magazin theo. Die Kirche sind die Menschen, die sich darin aktiv zeigen, durch diese Menschen entsteht Neues, wird etwas bewegt. Wir leben in einer sehr aktiven Gemeinde. Kreativität erschöpft sich für mich nicht nur in der Kunst, sondern in vielen anderen Bereichen.

Was fehlt Dir persönlich in der Katholischen Kirche?

Mir gefällt die Hierarchie nicht. Die Kirche sollte in einer anderen Struktur geführt werden. Es mangelt an Mitbestimmung der Menschen, die eigentlich die Kirche ausmachen. Oft hat man das Gefühl, sogar der Pastor hat wenig Freiraum, seiner eigenen Linie zu folgen. In meiner früheren Gemeinde wurde vor Jahren die Kommunion in beiderlei Gestalten vom Generalvikar quasi per Dekret verboten, nachdem der alte Dechant, der wohl mehr Durchsetzungsvermögen hatte, aus Altersgründen durch einen jungen Pastor ersetzt worden war.

Was treibt die Menschen Deiner Meinung massenhaft von der Kirche fort?
Eben jenes Bild einer Kirche, die Folklore und einen konservativen Machtapparat verkörpert, statt den Menschen Antworten auf ihre Fragen zu geben. Ich kann unseren Pfarrer nur loben, ich bin nie aus einer Eucharistiefeier gegangen, bei der ich von seiner Predigt nicht etwas für mein Leben mitgenommen hätte. Aber wer von vornherein nicht offen ist für solche Erfahrungen, was sollte er in der Kirche für sich finden können?

Du bist theo-Pate geworden. Warum willst Du helfen, theo zu verbreiten? 
Ich finde theo ist ein gutes Magazin, es trägt den christlichen Glauben zeitgemäß weiter. Mir gefällt der großzügige Umgang mit den wunderbaren Bildern, das phantastische Layout, die Texte haben Tiefgang. Es zeigt für mich eine völlig entstaubte Sicht auf die katholische Kirche. //

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