Die Gesellschaft Jesu

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Wer Jesuit sein möchte, sollte das Wandern lieben, ist doch eine starke Gottesbeziehung eine Pilgerreise in die Ewigkeit. Was Ignatius von Loyola, dem Gründungsvater der Jesuitengemein schaft, und seinen Gefährten im 16. Jahrhundert durch die Wirren der frühen Neuzeit half, hat sich als ultimatives Erfolgsrezept für ein vom Christentum durchtränktes Leben erwiesen: An der Seite Christi unterwegs zu sein in der Welt. Heute ist die Gesellschaft Jesu (ihs) der größte Männerorden in der katholischen Kirche und prädestiniert für die aktive Wiederbelebung der in routinierte Vergessenheit geratenen Botschaft des Herrn: »Ich bin bei euch alle Zeit. Folgt mir nach.« Doch Ohnmacht und Einsamkeit der modernen Zeit stellt mittlerweile auch die Lieblingstruppe des Papstes vor große Herausforderungen.

Klagen kann sie nicht, die Gesellschaft Jesu. Allein in diesem Jahr haben sich in der Deutschen Provinz fünf Novizen zum Dienst an der großen Sache eingefunden. Und das Exerzitienprogramm des Ordens war noch nie so ausgebucht wie heute. Denn wie die Buddhisten setzen die Jesuiten neben der offiziellen Kirchenlehre auf den Wert eigener, konkreter Glaubenserfahrungen, um das Königreich Christi aufzubauen. Sie treffen damit den Nerv vieler Suchender, die in den Werkzeugkoffern aller Weltreligionen nach dem richtigen Schlüssel suchen. Wie in den Umbruchszeiten des Ordensgründers Ignatius von Loyolas hungern sie auch heute nach Orientierung und einer inneren Gewissheit als Basis für ein persönlich gelingendes Leben. Wer sich wirklich auf den Weg machen will, sucht eine ernstzunehmende Spiritualität, die die Klippen der inneren Landschaft kennt und Bescheid weiß über die Entwicklungsebenen einer Seele im Läuterungsprozess. Er sucht eben mehr als Vorträge über Geschichten aus längst vergangenen Zeit in einem fernen Land, und seien sie künstlerisch noch so wertvoll. Dabei steht das kreative Ringen eigentlich im Zentrum des Jesuitenordens: das Ringen um Gott, den Weg, die Liebe und sich selbst. Zwar war es bei Ignatius von Loyola nicht ein fremder Mann am Fluß Jabbok, der ihm einen Hüftschaden zufügte, sondern eine Kanonenkugel während einer Verteidigungsschlacht bei der Festung Pamplona, doch ähnlich wie Jakob entzog dieses existenzialistische Ereignis auch Ignatius den bisherigen Boden unter den Füßen, so dass dieser einen neuen Lebensweg wählen musste: Aus dem ritterlichen Krieger des Spanischen Reiches wurde ein friedlicher Pilger in Gottes Heerscharen. Noch auf dem Krankenlager entsagte er der alten Faszination für Waffenspiele, Raufereien und gewöhnliche Liebeleien und entdeckte das Mysterium Gott. Nach seiner Genesung verlässt er das elterliche Schloß und pilgert allein und unerkannt nach Manresa in der Nähe des Montserrat in Katalonien, um dort als Einsiedler zu leben und ein inneres Ringen um Jesus Christus zu beginnen.
In strenger Buße und täglichem Gebet nimmt er Abschied vom alten Ignatius
und macht sich auf die Suche nach dem letzten Herrn der Welt. Eine Reise in die Dunkelheit beginnt, die seinen ganzen Mut erfordert. Und ihn tatsächlich zu dem führt, den wir Sterblichen das Licht der Welt nennen: Jesus Christus. Um auf der Reise ans Ende der bekannten Welt nicht den Weg zu verlieren, führt er Tagebuch und hält die wesentlichen Entwicklungsschritte seines Inneren fest.
Das Ergebnis: Eine erleuchtete Seele, ein empfängliches Herz und ein detaillierter Reiseplan in die verlorengeglaubte Partnerschaft mit Gott.
Seine Exerzitien sind das persönlich errungene Herzstück einer Ordensge –
meinschaft, die sich an der Seite Christi in die Welt gesandt sieht und nach Jesu Vorbild besitzlos, ehelos und gehorsam lebt. Und sich auf einer ewigen Pilgerschaft wähnt, Gott in allen Dingen zu erkennen. Diese real gelebte Bewusstseins- und Achtsamkeitsarbeit machte die Gesellschaft Jesu seit ihrer Gründung in den Jahren 1539/40 zu einer Wundertruppe der katholischen Kirche: geliebt, geachtet und gefürchtet. Denn Ignatius und seine sieben Gründungsgefährten banden den Orden von Anfang an in strengem Gehorsam an den Papst und machten sie zu seinem persönlichen Werkzeug beim Auf- und Umbau der katholischen Kirche über die Jahrhunderte hinweg.
Zum ersten Mal entstand so eine Form des christlichen Gemeinschaftslebens, das ganz von den Forderungen des Apostolats her geprägt war: der Dienst am Nächsten war nicht bloß eine Tätigkeit unter anderen, sondern das Grundanliegen, dem die ganze Lebensform zu dienen hatte. Der Orden war der Versuch, eine Quelle zu schaffen, in der sich Eigeninitiativen im Rahmen des Ganzen entfalten lassen. Heute würde man, modern ausgedrückt, von einem „Entwicklungslaboratorium“ für das katholisch-christliche Leben sprechen.
Diesem Freiheitsgedanken ist es zu verdanken, dass den Orden zwar bis heute
eine strenge Hierarchie und absoluten Gehorsam kennzeichnen, genauso aber das fehlende Chorgebet und eine einheilliche Ordenskleidung. Die Gefährten Jesu sollen in starker Eigenverantwortung und ehrlichem Ringen mit sich selbst täglich dem Leben – und damit auch Jesus Christus – begegnen. Ein exzellenter Gedanke mit einem hohen Anspruch, der vor allem geistig begabte Menschen anzieht. Schon beim Tod des Ordensgründers Ignatius von Loyola im Jahr 1534 gab es weltweit über 1000 Jesuiten, die an der Erneuerung des Katholischen Kirche von innen heraus mitarbeiteten und vor allem in Übersee erfolgreich als Missionare unterwegs waren.

Ihre Entschiedenheit und geistige Beweglichkeit machten sie gerade in
unübersichtlichen Zeiten zu Entdeckern einer neuen Welt und zu Pionieren eines christlichen Gemeinwesens, das auf der Bildung des Individuums fußt. Der Orden gründete zahlreiche Schulen und Universitäten, entsandte seine Ordensbrüder in die entferntesten Winkel und an die glänzendsten Trohnsäle der Welt. Jesuiten wurden rasch zu bedeutenden Forschern, Communitätsgründern und Beratern der Mächtigen. Bis den europäischen
Fürstenhäusern im 18. Jahrhundert die Spezialtruppe des Papstes zu mächtig
wurde und sie die Jesuiten des Landes verwiesen. Den vorläufigen Schlusspunkt bildet die 1773 von Papst Clemens XIV. vollzogene Auflösung des Ordens: Im Sinne des Friedens und zur Vermeidung von Streit und Zwietracht innerhalb der Kirche.
Als mit Ende der napoleonischen Ära in Europa 1814 der Jesuitenorden offiziell wieder hergestellt wurde, war die Wirkungsbasis der Gemeinschaft zerstört. Die höfische Welt war im Wandel begriffen, Bildung war die Aufgabe einer sich neu formierenden bürgerlichen Öffentlichkeit geworden und andere charismatische Bewegungen hatten den Dienst an den Armen und Bedürftigen übernommen. Doch die ganz besondere Mischung von ignatischer Spiritualität und Forscherdrang zog weiterhin die nach intensiver Gottesbegegnung hungernden Menschen weltweit an, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Gesellschaft Jesu über 36.000 Angehörige verzeichnen konnte und seitdem als stärkste Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche noch immer Geschichte schreibt.
Wen wundert es, dass jetzt, in der Spätmoderne, die Hoffnungen vieler Gläubigen erneut auf den Weggefährten Jesu ruhen. Auch wenn ihre Antwort seit über 500 Jahren stets dieselbe geblieben ist. Vielleicht auch gerade deshalb: „Christus geht uns voraus und begegnet uns oft in fremder Gestalt. Alles kommt darauf an, mit Ihm zu rechnen, auf Ihn zu hören und dann zu tun, was Er sagt.“ (Joh. 2,5)

 

Weitere Informationen:
Öffentlichkeitsreferat der Deutschen Provinz der Jesuiten
Dr. Thomas Busch
Seestraße 14
80802 München

T 089. 38 185 226
E-mail: thomas.busch@jesuiten.org
Web: www.jesuiten.org

Social Network:
www.facebook.com/jesuiten

Standorte der Deutschen Provinz der Jesuiten:
Deutschland
— Noviziat in Nürnberg
— Philosophisch-Theologische
— Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt
— Hochschule für Philosophie München
— Gymnasien in Berlin (Canisius-Kolleg Berlin), St. Blasien (Kolleg St. Blasien) und Bonn-Bad Godesberg (Aloisiuskolleg).
— Pfarrgemeinde und Kunststation St. Peter in Köln
— Akademien in Köln, Ludwigshafen und Nürnberg
— Jesuitenkirchen in München, Mannheim, Frankfurt und Stockholm
— Kommunität Pedro Arrupe in Unterhaching (Senioren-Kommunität)
— ehemalige Jesuitenkirchen in Aschaffenburg (Städtische Galerie
Kunsthalle Jesuitenkirche), Bonn, Büren,  Düsseldorf, Heidelberg, Eichstätt,
Münster (Ignaziuskirche), Köln, Landshut, Landsberg am Lech, Trier, Freiburg im Breisgau
— Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland

Österreich
— Teilhabe am Noviziat in Nürnberg
— Teilhabe an der Theologischen Fakultät Innsbruck (nicht mehr vorrangig eine Jesuiten-Fakultät)
— Canisianum Innsbruck
— Jugendzentrum Marianische
— Kongregation Innsbruck
— Provinzialat mit Seelsorgebetrieb in der angeschlossenen Universitätskirche Wien
— Teilhabe am Kardinal König Haus Wien (gemeinsam mit der Caritas)
— Pfarre Wien Lainz
— Teilhabe an der Katholischen Sozialakademie (Einrichtung der
Österreichischen Bischofskonferenz)
— Haus Manresa Linz (Exerzitienhaus)
— Haus Kolleg, St. Andrä im Lavanttal, Exerzitienhaus
— Gymnasium Kollegium Aloisianum (zusammen mit der Diözese Linz und
Privatpersonen)
— ehemaliges Jesuitenkloster in der Annagasse im St. Annahof Wien

Schweiz
— Lasalle-Haus, Bad Schönbrunn ob Zug,
— Basel,
— Fribourg,
— Genf,
— Luzern
— Zürich (Provinzialat)
Mitmachen
— Jesuit European Volunteer (jev) & Jesuit Mission Volunteers (jmv) & Werkstatt Weltweit,
www.jesuitenmission.de

— Gemeinschaft Christlichen Lebens (Laiengemeinschaft)
www.gcl.de

— MAGIS-Interkulturelle Begegnungen für junge Erwachsene
www.ignatisch.de

— Gebetsapostolat
www.gebetsapostolat.de

— Update Seele. Glaubens- und Gebetsimpulise.
www.update-seele.de
Online Spiritualität
(Seelsorge, Fürbitte, Gebet)
www.jesuiten.org/angebote.html

Exerzitien
www.jesuiten.org/angebote/exerzitien.html
www.jesuiten.org/sonderseiten/onlineexerzitien.html
www.con-spiration.de/exerzitien/
Ignatianische Spiritualität

bedeutet, Gott in allem zu suchen und zu finden und Gottes Liebe im eigenen Leben zu erfahren und darauf Antwort zu geben.
– ist befreiend,
– achtet auf die Eigenart jeder einzelnen Person,
– ist wachstumsfördernd,
– ist Gott- und Christus-orientiert,
– bietet konkrete Übungen,
– hilft bei der Lebensgestaltung,
– ist kirchlich.
Bücher

Rita Haub:
Die Geschichte der Jesuiten.
Primus Verlag, Darmstadt 2007,
ISBN 978-3-89678-580-0.

Jonathan Wright:

Die Jesuiten. Mythos – Macht – Mission.
Magnus Verlag, Essen 2005.

Dominik Sieber:

Jesuitische Missionierung, priesterliche Liebe,
sakramentale Magie. Volkskulturen in Luzern
1563-1614, Schwabe, Basel 2005.

Klaus Mertes:

Verantwortung lernen – Schule im Geist der
Exerzitien. Ignatianische Impulse. Echter,
Würzburg 2004.

Peter Claus Hartmann:

Die Jesuiten. Beck’sche Reihe 2171.
C.H. Beck, München 2001.

Stefan Kiechle, Clemens Maaß (Hrsg.):

Der Jesuitenorden heute.
2. Auflage. Matthias-Grünewald-Verl.,
Mainz 2001.

Foto: (c) Wikipedia

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