Editorial 05 2012

Brigitte Haertel. Chefredakteurin THEO Theo Cover 2012 05Theo Inhalt 2012 05Theo Panorama 2012 05

 

Liebe Leserinnen und Leser,
das von Papst Benedikt XVI. im Oktober 2011 ausgerufene »Jahr des Glaubens« hat begonnen. Anlaß war der 50. Jahrstag des zweiten Vatikanischen Konzils. Bei seiner Rede im Vatikan ludt der Papst alle Menschen ein, den Glauben an Gott neu zu entdecken, bzw. zu vertiefen. Gleichzeitig sprach er von einer tiefen Glaubenskrise in großen Teilen der Gesellschaft. Die Menschen wenden sich ab, oder kennen den Glauben, in den sie hineingeboren wurden, nicht einmal. Was sagt das aus über den Zustand der westlichen Welt?
Nachdem viele Menschen in den 90ern und 00er Jahren sich esoterischen Lehren zuwandten, ist dieser Enthusiasmus einer großen Nüchternheit gewichen. Die Heilsver sprechungen der Gurus sind schal geworden, kraftlos, Erleuchtung und Spontangenesung haben sich nicht eingestellt, ebenso wenig wie die »Bestellungen ans Universum«. Was nun? Wohl nie zuvor in der Weltgeschichte haben Menschen so vehement nach dem letzten Sinn ihres Daseins gesucht, nach dem Geheimnis des Lebens und Sterbens. Sie suchen Antworten in der Wissenschaft, in der Ratgeber-Literatur, in der Kunst.
Warum trauen sie es den Kirchen nicht mehr zu, Ihnen den Weg zu weisen? Das ist eine sehr ernste Frage, und nicht leicht zu beantworten. Der Papst hat Recht, wenn er meint, der Glaube käme nicht automatisch zurück, würde die Kirche allen Reformforderungen nachgeben. Wie denn auch? Dennoch darf die Kirche nicht zusehen, wie sie wegschrumpft in ihre eigene Bedeutungslosigkeit, ja, sie muss be greifen, dass die Menschen sich den Glauben nicht mehr verordnen lassen wie ein Medika ment, sondern, dass sie ihn erfahren wollen.

Wie macht man Glaubenserfahrungen? theo fragt Sie, liebe Leserinnen und Leser nach Ihrer ganz persönlichen Geschichte. Schreiben Sie uns Ihre Glaubenserfahrung, sie kann anderen Mut machen, sich ebenfalls auf den Weg zu begeben. Die nächste theo Ausgabe wird Ihnen zum Ende des Jahres vorliegen

Ihre Brigitte Haertel
Chefredakteurin

 

Sven Schlebes. (c) Foto: yves Sucksdorff

Ab dieser Ausgabe stellen wir Ihnen in jedem Heft einen theo-Mitarbeiter/eine Mitarbeiterin vor – und sein/ihr persönliches Credo. Es geht los mit: Sven Schlebes, Mitbegründer von theo und Redakteur in Berlin, Geschäftsführer der kulturelle Organisationsentwicklung Goldene Zeiten Berlin.

„Die Beatles besangen sie. Eckhart Tolle beschrieb sie. Jesus lebte sie: die Liebe. Das einzige, was wir wirklich brauchen. Und doch leben wir Menschen weiter unseren einsamen Traum der Trennung vom Ich und Du, anstatt ins Wir zu wechseln. Ein Leben in Relation ist möglich. Das ist nicht nur das stille Geheimnis des Christentums, sondern der Sauerteig weltweiter Erneuerungs bewegungen.“

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