Sternstunde

Pater Georg Maria Roers SJ

theo Impuls
von Pater Georg Maria Roers SJ .

»Auf welchem Stern lebst Du eigentlich?« Wenn mir jemand diese Frage stellt, dann weiß ich, dass ich wiederauf den Boden kommen muss. Der Aufenthalt in meiner niederrheinischen Heimat ist z.Z. der beste Ort der Welt für mich, weil die braunen Ackerschollen keine Kapriolen zulassen. Wer nicht geerdet ist, also nicht in dieser Welt lebt, macht sich was vor. Nur wer die Menschen im Auge hat, mit denen er zusammenlebt, wird auf die Dauer etwas zum Allgemeinwohl beitragen können. Nur wer starke Wurzeln hat, kann fruchtbar sein. Dazu muss ich nicht auf andere Kontinente reisen, sondern kann in meinem kleinen Kreis dafür sorgen, dass es mir und den anderen gut geht. In meinen Gebeten tauchen meine und andere Familien genauso auf wie mein Orden und die Kirche. Für letztere bete ich seit einiger Zeit häufiger, weil mir scheint, dass sie es besonders nötig haben. Unsere Ideale stehen auf dem Prüfstand. Über die Jesuiten ist gerade das Buch Unheilige Macht in 2. Auflage erschienen. Die Aufklärung der Missbrauchskandale ist auch im Jahr drei nach dem Medientsunami immer noch Thema. Auch wenn es den Verantwortlichen nicht passt, die Betroffenen müssen ihr ganzes Leben damit zurechtkommen, dass ihnen von katholischen Priestern großes Leid zugefügt worden ist. Wunden sind neu aufgerissen worden, und seelische Verletzungen bluten länger als ein Schnitt in den Finger. Wir Christen werden innerhalb der Gesellschaft kritisch beäugt. Zu Recht, denn einiges läuft nicht rund. Oft vergessen wir schon kurz nach Weihnachten, dass da jemand geboren wurde, der die Kraft hatte und hat, unser Leben grundlegend zu verändern. Was mein Dichterfreund Ludwig Steinherr über die Geburt seines Sohnes in Vor aller Zeit geschrieben hat, galt auch für das göttliche Kind, bevor es im Stall zu Bethlehem ankam:

»Noch ist deine / Existenz unfassbar / eine kühne Prophezeiung / eine wahnwitzige Hoffnung –
// Wirmüssen an dich / glauben / wie an Gott / (nicht den der Philosophen!) –
// Noch verwechseln wir / dich mit / den Zeichen / die du uns gibst / verlieben uns / in deine Ungewissheit / das Vielleicht / die Erwartung –
// Noch stürzt du / im Nachtflug / (ein winziger / eingekrümmter Pilot) / durch / mögliche Welten –
// Wir sehnen dich herbei/ winken dich / herab: Lande, lande / in der allerbesten – / nein, lande / (verzeih uns!) / in unserer / Welt – !«

Sobald Gott in unsere Welt hineingeboren wurde, strahlte ein Stern auf. In seinem neuen Buch über die Kindheit Jesu nimmt Papst Benedikt xvi. Bezug auf diesen Stern. Er zitiert Gregor von Nazianz, einen der wichtigsten Theologen des 4. Jahrhunderts. Er bildet mit Basilius dem Großen und dessen Bruder Gregor von Nyssa ein Dreigestirn. Sie sind die drei kappadokischen Väter: »Gregor von Nazianz sagt, dass in dem Augenblick, in dem die drei Magier Jesus anbeteten, das Ende der Astrologie gekommen sei, da die Sterne jetzt die von Christus bestimmte Bahn liefen. In der antiken Welt wurden die Himmelskörper als göttliche Mächte gesehen, die das Schicksal der Menschen bestimmen« (S. 109). Wenn wir das Fest der Hl. Drei Könige begehen, und die Kölner deshalb einen halben Tag frei haben, dann dürfen wir uns die Frage neu stellen: »Auf welchem Stern leben wir? Was ist uns so wichtig, dass wir nicht darauf verzichten können? Wer gibt uns Halt, Orientierung?«

Heinrich Heine hat über die drei Könige gedichtet:
»Die Heil’gen Drei Könige aus Morgenland, / Sie frugen in jedem Städtchen: /›Wo geht der Weg nach Bethlehem, / Ihr lieben Buben und Mädchen‹
// Die Jungen und Alten, sie wußten es nicht, / Die Könige zogen weiter; / Sie folgten einem goldenen Stern, / Der leuchtete lieblich und heiter.
// Der Stern blieb stehn über Josephs Haus, / Da sind sie hineingegangen; / Das Öchslein brüllte, das
Kindlein schrie, / Die Heil’gen Drei Könige sangen.«

Auch im neuen Jahr sind wir aufgerufen, uns auf die Suche zu machen nach dem Stern, der dort stehen bleibt, wo wir hingerufen werden. Nicht immer sind weise alte Männer zur Stelle, die uns Hinweise geben können, wo Gott zu finden ist in dieser Welt. Aber es gibt genügend Weisheit in unserem Land, die unser Leben bereichert. Der sprichwörtlichen Nüchternheit der Deutschen tut es gut, die eine oder andere Krippe zu besuchen. Warum wurde die Krippe von Franziskanern in Assisi erfunden? Weil die italienische Herzenswärme gut tut. Auch unserer Frömmigkeit! //

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