Winnetous Auferstehung

Pater Georg Maria Roers SJ Sascha Schneider [Public domain], via Wikimedia Commons

Geistiger Impuls
von Pater Georg Maria Roers SJ 

Eine Freundin erzählt mir, sie habe nach einem Karriereknick zwei Jahre gebraucht, um wieder Fuß zu fassen. Im Nachhinein schien es wie eine Fügung, sogar wie eine Art Auferstehung. Ein Freund streitet mit mir darüber, wer den größeren Glauben habe: »Ich habe mir nur meine Religiosität erhalten. Aber du hast einen Glauben, der viel tiefer verwurzelt ist«, sagt er. Ich versuche meine Verlegenheit zu verbergen und auch meine Gefühle, die zwischen Stolz und Demut schwanken. Mitten im Gespräch erzählt der Freund, wie einst Ikonen entstanden. Die Mönche ließen sich einmauern.
40 Tage lang. Sie hatten genügend Nahrung , um nicht zu verhungern. Ein kleines Fenster spendete Licht, und es begann ihre Gebetszeit. Sie bestand nicht nur im Rezitieren der Psalmen, sondern auch im Schreiben. Mönche schreiben Ikonen! Die Sonne in ihrem Innern leuchtet hell. Und je mehr sie eins werden mit Gott, desto mehr leuchten die im Werden begriffenen Bilder. Sie dienen dazu, Gott in seiner Pracht zu verherrlichen. Auch Mönche können Gott nie ganz erfassen, aber sie vermögen uns eine Ahnung zu geben, wie allumfassend der Glanz ist, der unsere Erde erleuchtet.
Wir sollten uns nicht zu sehr auf die Sonnenstrahlen fixieren, die uns Licht spenden. Sie sind wichtig für Körper und Psyche. Aber wir dürfen auch darauf vertrauen, dass im tiefsten unserer Seele – im Seelengrund würde Meister Eckhart sagen – so viel Gold zu finden ist wie im Hintergrund von Ikonen. Selbst, wenn sie durch den Gebrauch der Kerzen fast schwarz geworden sind, der Glanz bleibt in ihnen gespeichert.
Wir leben auf das Osterfest hin, feiern in der Osternacht das Fest der Auferstehung. Sicher, auch wir Christen werden einst, wie jeder Mensch, die Augen schließen und nicht mehr aufwachen, aber wir werden von Gott verherrlicht werden. Unser physischer Körper vergeht, was aber bleibt, schenkt uns Christus selbst. Was wir hier auf Erden im Blick auf die Ewigkeit tun, hat Bestand über unseren Tod hinaus. Es mag pro Tag nur eine kleine Prise christlichen Handelns sein, am Ende des Lebens ist es Gott selber, der Gnade walten lässt. Mit den üblichen Betrügereien, die uns in unserer Kultur schon fast zur zweiten Haut geworden sind, kommen wir bei Gott nicht weiter. Um in den Himmel zu kommen, muss ich nicht promoviert sein, deshalb hat es auch gar keinen Sinn eine Promotion vorzutäuschen. Eine Tour de France ist im Himmel auch nicht vorgesehen! Macht das Sprichwort, wie Gott in Frankreich zu leben, heute überhaupt noch Sinn?

»Madonna, ach, in deine Hände /
Leg ich mein letztes, heißes Flehn: /
Erbitte mir ein gläubig Ende /
Und dann ein selig Auferstehn! /
Ave, ave Maria!«

Sie werden nie erraten, in welcher Sterbeszene dieser Satz gesprochen wurde. Karl May legt diese Zeilen in Winnetou III (S. 474) dem sterbenden Häuptling der Apachen in den Mund. Der Leiter der katholischen Klinikseelsorge in Günzburg, Pfarrer H. Wohlgschaft, hat sich mit der Lebens und Sterbensphilosophie Mays intensiv auseinandergesetzt. Ob wir uns in das Reich der Literatur oder der bildenden Kunst begeben, der Musik, des Tanzes oder der Theologie, die Thesen und Bilder über die Auferstehung des Leibes und der Seele sind im Christentum unüberschaubar. Im Faust erleben wir die erschütternde Sterbeszene Gretchens im Kerker. Sie übergibt sich dem Gericht Gottes, sie bekennt all ihre Sünden und – wird gerettet.
Auf der Biennale 2011 in Venedig war in der Kirche »San Giorgio« eine eindrückliche Installation von Anish Kapoor zu sehen. Ascension (Himmelfahrt) war von genialer Einfachheit. In der Kirchenkuppel stieg eine Art Luftsäule auf, die von seitlich in der Kirche angebrachten Ventilatoren in Bewegung gehalten wurde. Der Brite Kapoor beschrieb dieses Werk so: »In meinen Arbeiten verschwimmen häufig Schein und Wirklichkeit. Was mich an Ascension besonders interessiert, ist die Idee von Immaterialität, die hier zum Objekt wird: Rauch formt sich zu einer Säule. Hier findet sich auch eine Anspielung auf Moses, der einer Rauchsäule, einem Lichtstrahl in der Wüste folgte.«
Der Lichtsäule Gottes folgen wir bis auf den heutigen Tag. Auferstehung und Himmelfahrt werden wir nie naturwissenschaftlich erforschen können, Experimente im Sinne der Aufklärung wird es nicht geben. Der Auferstehungsglauben hat die erste Generation von Christen erst dazu gebracht, das Leben Jesu mehr und mehr zu betrachten. Bis heute sind wir Christen auf der Suche nach dem Geheimnis Jesu. Das feiern wir im Gottesdienst. Wir gehen Seite an Seite wie Petrus und der Jünger, den Jesus liebte. Dazu passt der folgende Text bei Johannes (20,3-6): »Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.«
Dieser Text kam mir auch in den Sinn, als ich das Kunstwerk von Micha Ullman in der St. Matthäus-Kirche in Berlin-Tiergarten sah. Ullman lädt uns Christen ein, unsere jüdischen Wurzeln und damit auch das Umfeld Jesu genauer anzuschauen. Es lohnt sich. //

Foto: (c) Sascha Schneider [Public domain], via Wikimedia Commons

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