Editorial 01|2013

Brigitte Haertel. Chefredakteurin THEO  

Liebe Leserinnen und Leser,
während ich diese Zeilen schreibe, kündigt der Heilige Vater seinen Rücktritt an, eine historisch mehr als bedeutsame, aber auch eine sehr berührende Entscheidung.
Als theo vor sechs Jahren zum ersten Mal erschien, haben die Redaktion und einige Prominente dem Papst zu seinem achtzigsten Geburtstag im April gratuliert, in diesem Frühjahr nun müssen wir ihm als Papst Lebewohl sagen.
Sicher hat es ihn auch mitgenommen, dass die Kirche sich in einer so schwierigen Situation befindet. Mit den Jahren, spätestens seit 2010, hat sich das Image der Amtskirche in der Bevölkerung kontinuierlich verschlechtert, neueste Umfragen sprechen eine deutliche Sprache. Massenweise wenden die Menschen sich von der Kirche ab, nun, schließlich jagt eine Schreckensmeldung die Nächste, und es stellt sich die Frage: Ist es nur die Skandalsucht der Medien, die der Katholischen Kirche übel mitspielt?
Es ist sicher mehr: Die Menschen wünschen sich mehr Menschlichkeit in Kirche und Caritas, wünschen sich eine Lockerung von unzeitgemäßen Vorschriften und vor allem mehr Transparenz. Nicht nur für uns theo-Macher wird es immer schwieriger, den Menschen das Katholische nahezubringen. Dabei war genau dies die Absicht, als wir vor sechs Jahren loslegten, auch aus der Befürchtung heraus, dass der Glaube aus unserer Gesellschaft verschwinden könne. Manche von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser fühlen vermutlich ähnlich: Wir möchten dennoch unsere Zuversicht nicht verlieren, die uns zu theo inspiriert hat, und wir glauben, dass Papst Benedikt mit seiner so menschlichen Geste der Kirche einen großen Dienst erwiesen hat.
Wir gehen auf Ostern zu, das höchste Fest der Christenheit. Der Impuls auf der nächsten Seite von Pater Georg Maria zeigt die Auferstehung in ihren verschiedenen Facetten. Wie gewohnt erwarten Sie in dieser Ausgabe interessante Menschen; Vor allem zwei Politikerinnen: zum einen die cdu-Abgeordnete Marie-Luise Dött, die »Lady in Red«, sie wird sechzig, und Monika Grütters, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, sie untersucht die Frage: Wie stehen Kunst und Kirche zueinander?
Grimms Märchen feiern ihren 200. Geburtstag. Andreas Öhler beleuchtet die Geschichte der Märchen, aber auch die der Heiligenlegenden, und der Theologe Tobias Langer siedelt Schneewittchen im Land an der Leine an. Beinahe alle Länder der Erde hat die Künstlerin Ulrike Arnold bereist und nennt ihre Arbeiten Hommage an die Schöpfung. Der Schöpfung fühlen sich auch die Dominikanerinnen verpflichtet, in der Reihe Die großen Orden stellt Sven Schlebes sie und ihre gelebte Spiritualität vor. Der Künstler Micha Ullman schlägt in der Berliner Matthäuskirche ein neues Kapitel der Versöhnung auf – Pater Georg Maria berichtet darüber. Passend zur Fastenzeit tummelt sich auch ein Rollmops im Heft – und ruft nach mehr Aufmerksamkeit. Lesen Sie selbst und genießen Sie den heraufziehenden Frühling.

Ihre Brigitte Haertel
Chefredakteurin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.