Gestatten: Theo Pate Tobias Ebert

Ebert

Tobias Ebert
41 Jahre, Oberstudienrat i. E. und Schulseelsorger am Mallinckrodt-Gymnasium Dortmund, Fächer: Kath. Religion und Geschichte, Subsidiar an der Propsteikirche St. Johannes Baptist Dortmund.

Was war Ihre wertvollste Erfahrung in Ihrem Leben als katholischer Geistlicher?
Einer alleinerziehenden Mutter durch Gespräche, Glaubensimpulse und Vermittlung von Beratung den Weg aus einer völlig aussichtslosen Situation zurück ins Leben gebahnt zu haben.

Als Schulseelsorger arbeiten Sie mit jungen Menschen. Wie ist es um deren Glauben heute bestellt?
Eine pauschale Antwort ist schwierig, aber ich beobachte eine deutliche Tendenz zu einem sehr diffusen Gottesbild, das kaum noch personale Züge trägt. Auf der anderen Seite gehört soziales Engagement als Umsetzung der von Jesus verkündeten Nächstenliebe an unserer Schule unbedingt dazu, und auf das Gemeinschaftserlebnis in den Gottesdiensten wollen viele Schülerinnen und Schüler auch nicht verzichten. Manches ist recht widersprüchlich, aber das kann man Heranwachsenden wohl kaum übel nehmen!

Wie ist es überhaupt im Ruhrgebiet um den Glauben bestellt?
Wir erleben zurzeit einen beispiellosen Traditionsabbruch, einen sich rapide beschleunigenden Prozess, der aber auch in den ländlichen Gebieten unseres Erzbistums in ähnlicher Weise zu beobachten ist. In einer Stadt wie Dortmund kommt noch der stetig steigende Anteil an nichtchristlichen oder bekenntnislosen Bürgern hinzu. Angesichts des Durchschnittsalters der Gottesdienstbesucher in vielen Gemeinden stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz des Glaubens und der Zukunftsfähigkeit der Kirche in nie dagewesener Weise. Die Stärke der Katholiken dieser Region hat aber seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert immer auch darin bestanden, sich mit Herausforderungen auseinanderzusetzen, flexibel zu reagieren und Neues auszuprobieren. Zudem bieten die kurzen Wege in den Städten viel bessere Möglichkeiten zur Vernetzung. Deshalb bin ich gar nicht so pessimistisch.

Was ist für Sie die Kernbotschaft des Christentums?
Die Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus, die ihren Höhepunkt in der Hingabe am Kreuz gefunden hat. Aus dieser Botschaft erwächst der Auftrag an alle Getauften, etwas von dieser Hingabe an die Welt und die Menschen aufscheinen zu lassen.

Wie muss Kirche Ihrer Meinung nach sein, damit sie Menschen erreicht?
Sie muss eine klare Sprache sprechen und deutlich kommunizieren, wofür sie steht, wozu auch der professionelle Umgang mit den Medien gehört. Das wird aber erst dann glaubwürdig, wenn am Reden und Tun aller Mitglieder die Kernbotschaft ablesbar ist.

Was erwarten Sie von Papst Franziskus?
Nicht zu viel, hoffe ich! Benedikt XVI. hat mit seinen Enzykliken und anderen Publikationen den Blick auf wesentliche Grundzüge von Glauben und Kirche gerichtet, was ich als sehr wohltuend empfunden habe. Franziskus scheint mir das Charisma zu haben, aufgrund seiner Biographie besonders den Aspekt der Caritas durch Gesten und Taten mit Leben erfüllen zu können. Und wenn er es dann noch schaffte, den päpstlichen Primat und die Kollegialität der Bischöfe in ein ausgewogeneres Verhältnis zu bringen, wäre schon viel erreicht.

Sie sind theo-Pate, warum wollen Sie helfen, theo zu verbreiten?
theo füllt eine publizistische Lücke zwischen theologischen Zeitschriften und klassischen Kirchenzeitungen. Es ist ein Magazin, das man auch zwischendurch mit Gewinn zur Hand nehmen kann, zum Beispiel in der Pause im Lehrerzimmer.

Was gefällt Ihnen an theo besonders?
Das frische Layout und die Ausgewogenheit zwischen spirituellen, sozialen und kulturellen Themen. //

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