Portrait: Ich bin ein katholisches Mädchen.

Bettina Schausten. Foto. Anja Lehmann

Bettina Schausten. Foto. Anja Lehmann


Bettina Schausten leitet seit vier Jahren das ZDF-Hauptstadtstudio. Damit gehört sie zu den mächtigen Frauen in Deutschland.
Text: Brigitte Haertel. Fotos: Anja Lehman

Leseprobe.

Eine Pose erschüttert die Nation seit Jahren: Fernsehgrößen und solche, die sich dafür halten, drücken mit zwei Fingern ein Auge zu: »Mit dem Zweiten sieht man besser«, heißt es dazu, und womöglich hat diese absurde Behauptung mehr zum Senioren-Image des ZDF beigetragen als alle Programmverirrungen. zdf, das war nie Rock’n Roll, das war immer Schlagerparade. Aber der Sender, so gehen die Verlautbarungen in der Fachpresse, holt auf, »traut sich wieder was.« (Horizont, Januar 2014).
Das hört Bettina Schausten gern, für die Zwei-Augen-Kampagne kann sie nix, für das Aufholen des Senders im Quotengerangel sehr wohl. Sie ist das Gesicht am Sonntagabend, wenn sie bei »Berlin direkt« Spitzenpolitiker auf Augenhöhe befragt, und sie ist das Gesicht bei Wahlsendungen und Sommerinterviews. Und sie ist sympathisch.
Routiniert, mit wohltemperiertem Charme und großer Ernsthaftigkeit hakt sie nach, drückt bei Null-Aussagen ihres Gegenübers kein Auge zu. »Man kann manchmal wörtlich voraussagen, was Politikerinnen und Politiker einem antworten.«
Ansonsten zeigt sie durchaus Verständnis für Politiker, schließlich fliegt sie gelegentlich mit im Luftwaffenjet der Kanzlerin, einem Airbus 340, wenn es in die USA geht zum Beispiel, »wo es im besten Fall zu spannenden Hintergrundgesprächen mit Angela Merkel kommen kann«.
Berlin, »Unter den Linden«: Im Eingangsbereich des zdf-Hauptstadtstudios herrscht munteres Treiben. Frau Schuldt, die Sekretärin der Chefin, holt die Besucher ab und geleitet sie hinauf in die oberen Etagen: »Frau Schausten ist hier die Hausherrin,« sagt Frau Schuldt auf Nachfrage und mit ausladender Geste. »Aber das lassen Sie sie lieber erzählen«. Die Chefin ist größer, als sie auf dem Bildschirm aussieht, trägt Jeans, einen modischen Schal und eine ebensolche Brille, das Haar ist lässig im Nacken verknotet. Das sieht fremd, aber umwerfend gut aus, dennoch will sie sich nicht fotografieren lassen, »weil ich darauf heute nicht eingestellt bin«. Ein Missverständnis.
Gerade ist sie zurückgekehrt vom Gipfeltreffen in Den Haag, die Staats- und Regierungschefs waren sich einig: Den in Sotschi geplanten G8-Gipfel sagten sie wegen Putins Eigenmächtigkeiten ab.
»Da bin ich ganz normal mit einer Linienmaschine hin, da macht man seinen Job, hohe Sicherheitsstufe, abgeschottetes Pressezentrum, die Berichterstattung ist da nicht ganz einfach.«
Ihr Berliner Büro ist von bescheidener Größe, neben dem Schreibtisch greifen noch zwei runde Tische ein wenig Raum, einer beladen mit Zeitungen, der andere für Besprechungen, das war’s. Das mit der »Hausherrin« stellt sie gleich klar, sie leitet das ZDF-Hauptstadtstudio und damit das größte Studio außerhalb von Mainz, aber nicht alle Mitarbeiter des Hauses unterstehen ihr. »Im Sender gibt es verschiedene Direktionen, ich mache Bundespolitik und keine Kultur, zum Beispiel.«
»Wieviele Mitarbeiter sind es dann«?
Da muss sie überlegen: »Ein Mann könnte Ihnen das sofort sagen.« Gelächter im Raum. Sie hat eine offene, freundliche Art in eine Unterhaltung einzusteigen macht es ihrem Gegenüber leicht. In Gesprächen stets auf alles vorbereitet zu sein, gehört für die Journalistin zum Handwerk.
Nur einmal in ihrer Laufbahn hat sie in diesem Punkt gepatzt: Das war vor zwei Jahren, als sie gemeinsam mit dem ard-Kollegen Ulrich Deppendorf den damaligen, schon in Affären verstrickten Bundespräsidenten Christian Wulff interviewte und ihn fragte, was dagegen spräche, dass er für seine Übernachtungen bei Freunden 150 Euro die Nacht zahle. Dieser drehte den Spieß um: »Machen Sie das bei Ihren Freunden so«?
Ihr leicht verdattertes »Ja« brachte ihr Spott und Häme vor allem im Internet ein: Netzgemeinden und Buchungsportale wie »Übernachte bei Bettina Schausten« oder »Ferienhaus Schausten in Wittlich « vergällten der Journalistin den pompösen Fernsehauftritt. »Gegenfragen sind immer gefährlich,« resümmiert sie heute, und: »Ich habe mich zu einer Replik verleiten lassen. Die Reaktionen haben mich natürlich getroffen, ich konnte unmittelbar erfahren wie das ist, wenn so eine Welle im Internet losgeht, das schärft die Sensoren dafür, wie es wohl für Andere ist.«
Bettina Schausten lacht, wohl auch erleichtert darüber, den Shitstorm überstanden zu haben. Sie schiebt sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Schade bloß, dass sie sich nicht fotografieren lässt mit der Brille und der Knoten-Frisur, es wäre mal eine andere Bettina Schausten, eine, die ihr Mann morgens beim Frühstück sieht.
Auf dem Schirm, wie es Bettina Schausten selbst ausdrückt, trägt sie Kontaktlinsen und das Haar stets offen, dafür akkurat gefönt. Nicht nur, was Ihr Äußeres angeht, ist sie Perfektionistin, am liebsten würde sie immer alles richtig machen und weiß doch, dass das unmöglich ist.
An die leisen Nebengeräusche im Vorhof des Promi-Daseins hat Bettina Schausten sich längst gewöhnt: Foto- und Interviewtermine, Preisverleihungen, Empfänge im Kanzleramt, im Schloss Bellevue und immer wieder Händeschütteln. Ihr Alltag ist getaktet wie der eines Top-Managers, das dauerfiepende Handy stets in Reichweite drückt der pralle Terminkalender aufs Tempo. 20 Jahre Fernsehen und ein penibel geführtes Adressbuch mit etlichen Geheimnummern haben sie zum Vollprofi reifen lassen.
Aufgewachsen ist Bettina Schausten dort, wo Deutschland nicht besonders aufregend, aber dafür sehr katholisch ist: Im westfälischen Lüdinghausen. […]

 

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4 Gedanken zu „Portrait: Ich bin ein katholisches Mädchen.

  1. Na, so gut ist Frau Schausten nun auch nicht. Im Interview mit Herrn Wulff begann es und hat sicher nicht mit denen von Herrn Gabriel geendet. Ich empfinde sie im Gespräch gelegentlich als sehr peinlich auftretend.

  2. Sehr verehrte Frau Schausten, ich weiß nicht wie ich Ihnen eine Frage stellen kann. Aus diesem Grund wähle ich diesen Weg. Ich habe gerade die Sendung Berlin direkt (4.6.2017) gesehen.
    Weshalb wird Frau Merkel immer im Zusammenhang mit Europa genannt. Meines Erachtens müsste sie doch für Deutschland stehen. Sie will doch im Herbst auch für Deutschland von Deutschen gewählt werden.
    Sind nicht für Europa Herr Tusk und Herr Junker zuständig. Die anderen europäischen Länder halten sich da heraus. Nur Frau Merkel mischt in der Zuständigkeit von Herrn Tusk und Junker.
    Warum ist das so ? Ich bitte um Antwort.
    Heidemarie Fischer
    Hauptstr.42
    99310 Arnstadt

  3. Sehr geehrte Frau Schausten, heute habe ich die Feierlichkeiten zum Tod von Helmut Kohl verfolgt, zuerst in Straßburg und dann in Speyer. Bei allen Würdigungen ist mir aufgefallen, dass nie darüber gesprochen wurde, dass in Folge des Mauerfalles in Berlin und der Wiedervereinigung Deutschlands der „Kalte Krieg“ beendet wurde: nämlich die militärische Hochrüstung von Ost und West.
    Auch dies ist ein Verdienst durch Helmut Kohl – die Freundschaft mit Gorbatschow
    löste doch das weltweite Abrüsten aus, oder?
    Sehr dankbar für diese unvorhergesehene Entwicklung, weltweit, Marianne Bieniek, geb. 1932!

  4. Hallo und guten Tag,
    zur Person Bettina Schausten muß ich nun eine Frage fragen. Bei einer Sendung war in Namen der Moderatorin eingeblendet. : Dr. Bettina Schausten . Ich finde in den Bezugsquellen keinen Hinweis auf eine Doktorgrad. Hat sie nun oder hat sie nicht und war die Einblendung falsch ?

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