Ein spielender Mensch

Christoph Brech | Pantheon II, 2013 | Fineartprint auf Alu kaschiert | 133 x 200 cm

Pater Georg Maria Roers (Bild: Sankt Michaelsbund)

Zu Gast im KunstBüro Berlin.
Hier wirkt seit Februar auch der Kunst- und Kulturbeauftragte der Erzdiözese Berlin, Pater Georg Maria Roers SJ. Für theo berichtet er ab sofort, was sich in der Kunstwelt der Bundeshauptstadt tut. Für Fragen und Führungen steht Pater Roers gern zur Verfügung:

T 030. 857 26 240
gmroers (at) web.de
KunstBüroBerlin
Uhlandstraße 162
10719 Berlin
www.kunstbueroberlin.de

 

Christoph Brech | Pantheon I, 2013 | Fineartprint auf Alu kaschiert | 133 x 200 cm Christoph Brech | Pantheon II, 2013 | Fineartprint auf Alu kaschiert | 133 x 200 cm Christoph Brech | Pantheon III, 2013 | Fineartprint auf Alu kaschiert | 133 x 200 cm Unheilige Orte. KunstBüroBerlin

Christoph Brech ist seit einigen Jahren mit seinen Fotografien und Videoarbeiten in der Kunstwelt angekommen. Er interessiert sich nicht für statische Bilder, fotografiert lieber Serien. Im September letzten Jahres entstanden im Pantheon in Rom fünf Bilder: Das Sonnenlicht fällt in die Kuppel, aus der am Pfingstfest Rosenblätter fallen.
2006 war der Künstler Stipendiat der Villa Massimo in Rom, seither lässt ihn dieser Ort nicht mehr los. Sein jüngstes Video heißt einfach nur Le Chiavi – Die Schlüssel. Es sind aber nicht irgendwelche Schlüssel, sondern die Schlüssel des Apostolischen Stuhls, eingeschliffen in eine Glastür der Vatikanischen Museen. Gerade wurde mal wieder ein Papst gewählt.
Man sieht Gestalten hinter der Türe von links nach rechts gehen, sie werden zu Chiffren.
Brech nennt sich nicht-kreativ, sagt er, er zeige nur das, was er sehe. Es ist ein Spiel mit Schein und Wirklichkeit, die Rolle des Künstlers ist ebenso schillernd wie die Motive selbst. Schon als Kind hat er einen Zirkus organisiert, in dem er und seine Freunde sich spielerisch in der bayerischen Heimat austoben konnten.
Erwartungen des Zuschauers stellt Brech also schon seit Kindesbeinen in Frage.
Selbst wenn es ernst wird bleibt Brech ein homo ludens, ein spielender Mensch. Eines seiner Videos heißt Opus 110a (2001). Der Frack des Dirigenten Christoph Poppen ist beim Dirigat von hinten zu sehen. Die Falten im schwarzen Stoff, die sich bei jeder Bewegung anders verhalten, visualisieren die Musik.
Von Haus aus ist Brech Maler. Er studierte bei Prof. Franz B. Weißhaar an der Akademie der Bildenden Künste in München, und zwar am Lehrstuhl für Christliche Kunst. 1998 endet die Beschäftigung mit der Malerei. Vom amerikanischen Gastprofessor Dennis Adams lernte Brech konzeptuelle Disziplin.
Kirchenleute würden Brech sicher gerne in der Tradition der Nazarener wie Peter von Cornelius sehen, der mit Friedrich Wilhelm Schadow die sogenannte Düsseldorfer Malerschule begründete.
Es würde nicht funktionieren. Brech will nicht missionieren. Und doch zeigte er 1999 in seiner ersten musealen Einzelausstellung im Haus der Kunst in München 460 bestickte Kniekissen, wie sie in englischen Kirchen üblich sind. Ganz ohne Religiosität geht das nicht.
2005 brachte er Friedrich Kardinal Wetter in München dazu, sich von seinem im Diözesanmuseum Freising ausgestellten Lichtkreuz zu distanzieren: »Die Form der Darstellung verdunkle die christliche Lehre vom Kreuz.« Die Arbeit von Christoph Brech zeigt einen Kreis, in dem ein Kreuz, ein Halbmond und ein Davidstern abwechselnd aufleuchten. Ein Objekt für Schulklassen mit wechselndem Religionsunterricht. Sind nicht auch die fünf Bilder des Pantheon im KunstBüroBerlin vertrackt und verschachtelt? Die Bilder reihen sich ein in ein OEuvre auf der Suche nach geheimnisvollen Orten. Manchmal sind es heilige Orte, die zu Unheiligen Orten werden, und manchmal ist es einfach umgekehrt: Orte wie die Gärten der Ruine von Ninfa, die als das Pompeji des Mittelalters bzw. des Christentums galten. Ninfa liegt eine Stunde südlich von Rom. Brechs Fotoband dazu erscheint im nächsten Jahr, ebenso sein Buch über die Vatikanischen Museen. //

Die Werke von Christoph Brech sind noch bis Ende Mai im KunstBüroBerlin zu sehen, anschließend bis Mitte September 2014 in einer großen Einzelausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt.
Auf der Website heißt es in der Ankündigung: »Brech erweist sich als Grenzgänger zwischen Malerei und Film und ist ein Bilder-Finder und Bild-Erfinder.«