Es steht in den Sternen

(c) Kulturstiftung Kölner Dom

Domprobst Dr. h.c. Feldhoff. Foto. Raimond Spekking. CC 4.0

Der Kölner Dom gilt als Meisterwerk der Baukunst, als bedeutender Ort europäischer Kultur- und Geistesgeschichte. Davon zeugen nicht bloß der legendäre Domschatz, sondern auch etliche Meisterwerke der bildenden Kunst: Darüber hinaus symbolisiert der Dom Heimat und Identität der Menschen in Köln. Seit 1996 zählt der Kölner Dom zum Weltkulturerbe, und seit 2010 sorgt die Kulturstiftung Kölner Dom für seinen Erhalt und den Fortbestand. theo sprach mit dem Initiator der Stiftung, Dompropst Dr. h.c. Norbert Feldhoff.

 

Sie leben und arbeiten im Schatten des Kölner Doms? Welche Beziehung haben Sie zum Dom?
Er ist das Herz des Erzbistums, die Kirche, in der ich zum Priester geweiht wurde und darüber hinaus eine der bekanntesten Kirchen der Welt. Das Domkapitel hat die Verantwortung für den Dom, es sind also vielfältige Bindungen.

Wie lebt es sich mit Blick auf diese Kathedrale?
Der Touristenstrom ist grenzwertig, sechs Millionen Besucher im Jahr, täglich zwischen 20 000 und 30 000 Menschen, das ist in jeder Beziehung eine Belastung. Da kommen Menschen essend in den Dom oder mit Tieren. Das pausenlose Fotografieren können wir nicht verbieten, da müssten wir zwecks Kontrolle das Fünffache an Domschweizern aufbieten. Während bei anderen Gebäuden alles dafür getan wird, dass sie Weltkulturerbe werden, haben wir uns darum nicht bemüht, es ist über uns gekommen.
Der Besuch im Dom ist eintrittsfrei, wird das so bleiben?
Wir nehmen keinen Eintritt, auch nicht bei Konzerten. Alles ist kostenlos im Dom, wir betteln dann beim Ausgang, aber da ist eine Gabe freiwillig.

2011 haben Sie die Kölner Domstiftung gegründet. Gestatten Sie eine beinahe ketzerische Frage: Die Kirche hat doch so viel Geld, wieso müssen den Erhalt jetzt wieder Andere bezahlen?
Die finanzielle Verantwortung für den Dom hat das Domkapitel. Am Kölner Dom gibt es zwei Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Hohe Domkirche ist eine Körperschaft, die durch das Domkapitel vertreten wird, das selbst auch eine Körperschaft ist. Die Gesamtkosten des Doms liegen bei 14 Millionen im Jahr, davon sind etwa sechs bis sieben Millionen Euro Baukosten. Den größten Teil dieser Baukosten trägt der Zentral-Dombau-Verein, der selbst etwa die Hälfte seines Beitrages aus den Erlösen des Spiels 77 bekommt. Das Land NRW zahlt etwa 750 000 Euro, das Erzbistum 1,4 Millionen und die Stadt Köln eher einen unerheblichen Teil. Uns war klar: Wir müssen eine zweite Quelle erschließen, die die Arbeit am Dom unterstützt. Die Kulturstiftung, bald drei Jahre alt, kann das. Seelsorge und Liturgie sind da allerdings ausgenommen.Das muss aus Kirchensteuermitten bezahlt werden.

War die Kulturstiftung Ihre Idee?
Ja, die Idee hatte ich schon zu Beginn meiner Amtszeit vor zehn Jahren. Ich musste viele Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt und natürlich mit dem Domkapitel führen. So was geht nicht so schnell. Wir haben mit 250 000 Euro Stiftungskapital begonnen, heute liegt das Kapital bei knapp einer Million. Dass die Finanzkraft der katholischen Kirche schwächer wird, das predige ich seit langem, davor darf man die Augen nicht verschließen. Da stellt sich zwangläufig die Frage: Wie sichert man den Dom, die Arbeit daran?

Nennen Sie bitte einmal ein Beispiel, wofür das Geld benötigt wird?
Die Orgel des Doms braucht zwölf neue Basspfeifen, die 50 000 Euro kosten. Dann haben wir die Veröffentlichungen der Ausgrabungen unter dem Dom finanziell unterstützt und die musikalische Gestaltung der Abschlussveranstaltung der diesjährigen Lit.Cologne, bei der im Dom Texte von Franz von Assisi und Papst Franzikus gelesen wurden.

Was hat es mit dem Generationenprojekt 11 000 Sterne auf sich?
Wir haben vor dem Nordportal des Doms begonnen, Sterne zu verlegen. Wer eine bestimmte Summe an die Kulturstiftung Kölner Dom spendet erhält einen Stern. Es gibt unterschiedliche Anlässe für Spenden: die Geburt eines Kindes, als Erinnerung für Verstorbene oder weil jemand die Verbundenheit mit dem Kölner Dom zum Ausdruck bringen will, auch oder gerade, wenn er weit ab von Köln lebt. Die 11 000 ist eine Symbolzahl für Köln, denken Sie an den 11.11. oder die 11 000 Jungfrauen der Heiligen Ursula. Die Sternenfläche wächst, einige Großstiftungen sind bereits dabei. Monika Piel, die ehemalige WDR-Intendantin, ist Vorsitzende des Vorstandes.

Was muss der Spender für einen Stern bezahlen?
Wer 5 000 Euro spendet bekommt einen kleinen Stern, eine 11 000 Euro-Spende garantiert einen großen Stern. Da kann der Name drin sein oder ein Wappen für eine Institution. Während einer Weihnachtsverlosung hier in der Dompropstei können mit 15 Euro-Losen drei kleine Sterne gewonnen werden.

Wie viele Sterne haben Sie schon veräußert?
Am Freitag vor Pfingsten überschritten wir die magische Marke von 111 Sternen, es wurden 32 neue Sterne eingeweiht mit 180 Gästen. Monika Piel überreichte die Stifterurkunden, und ich segnete die neuen Sterne ein.

Die letzte Frage behandelt das Richter-Fenster im Dom. Wie stehen Sie dazu?
Die Mehrheit des Domkapitels und auch ich sind davon überzeugt. Dass es keine bildlichen Darstellungen sind, damit habe ich kein Problem. Das Fenster ist ein Zeitzeugnis, das viele Menschen in den Dom lockt. Und sie sollen sagen: Verdammt noch mal, die alte Institution scheint ja noch zu leben. //

Weitere Informationen zur Kulturstiftung Kölner Dom und zum Generationenprojekt: www.kulturstiftung-koelnerdom.de

PORTRAIT: (c) Raimond Spekking. CC 4.0.
FOTO STERNE: Erzbistum Köln

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