Editorial 01/2015

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 01/2015

 

Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema verrückt: Mit dieser Ausgabe versuchen wir eine Annäherung an ein sehr ernstes Phänomen: Ist die Welt verrückt geworden, das heißt, sind wir alle in einem fragwürdigen Geisteszustand, oder sind es bloß Einzelne, die scheinbar den Verstand verloren haben? Oder ist gar verrückt die einzig wahre Geisteshaltung? Die Definition von Normalität ist schier unmöglich geworden in einer Gegenwart, in der Konventionen sich auflösen, neuen Entwicklungen Platz machen. Die sehr ernste Frage, die ein katholisches Magazin sich stellen muss: Wie war es eigentlich bestellt um unseren Religionsstifter Jesus Christus? War das, was er sagte und tat, nicht ziemlich ver-rückt? Er lieferte höchst kreative Gebote für ein gelingendes Miteinander, die in ihrer Summe sehr einfach waren.
Die Diplom-Psychologin Susanne Altweger meint: Nur die im positiven Sinne verrückten Visionäre bringen die Welt voran: Menschen auch wie einst Hildegard von Bingen, später Mahatma Gandhi, Martin Luther King, ja, und auch Papst Franziskus scheint einem Pfad zu folgen, den zu erkennen nicht nur seine Kurie sich schwertut.
Der von den Deutschen so hochverehrte Altkanzler Helmut Schmidt hingegen empfiehlt Visionären, zum Arzt zu gehen, das war so mit der dümmste Satz, den der ansonsten ja nicht gerade für Stumpfsinn berühmte Politiker je von sich gegeben hat.
Wir jedenfalls stellen Ihnen in dieser Ausgabe ungewöhnliche Menschen vor, ja, wir können sie gern verrückt nennen. Der Jesuit und Wissenschaftler Pierre Teilhard de Chardin wusste, dass Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube sich nicht ausschließen, dass »Gott macht, dass die Dinge sich machen«.
Vor 60 Jahren starb er, von der Kirche verkannt und verbannt, und heute bringt der Jesuit Johannes Seidel SJ uns Teilhard de Chardin näher.
Die Architektin und Naturkosmetik-Herstellerin Martina Gebhardt kauft mal eben ein Kloster, die Dominikanerin Schwester Jordana reitet auf einem Kamel durch die Wüste, der Theologe und Psychiater Manfred Lütz erklärt, warum wir die Falschen behandeln, und Pfarrer Meurer aus Köln dient Gott gern mit einem Wagenheber: Alles Verrückte?
Wir meinen ja und nein. Sven Schlebes ist Gottes heiligen Narren auf der Spur, die womöglich auch heute noch unerkannt unter uns leben. Und auch dem blinden Ausnahmemusiker Louis Thomas Harding, genannt Moondog, der mit seiner »irren« Kompositionstechnik des Kontrapunktes sogar Johann Sebastian Bach korrigierte.
Die Fotografin Conny Wenk ist Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom, der Verleger David Neufeld Vater von zwei adoptierten Down-Syndrom-Kindern, sie sind einfach anders als gedacht, meinen beide lapidar. Und die Fotografien von Bettina Flitner zeigen Menschen auf einem Boot, mal ganz anders.
Nun, die fünfte Jahreszeit, die sogenannte närrische Zeit, liegt gerade hinter uns, wir gehen durch die Passionszeit auf Ostern zu: Am Ostersonntag feiern war das Verrückteste, was die Menschheitsgeschichte je gesehen hat: Jesu Auferstehung.
Ihnen einen guten Start in den Frühling, genießen Sie die Lektüre.

Ihre
Brigitte Haertel und das theo-Team
Brigitte Haerte. Redaktionsleitung theo Magazin

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Eine Reaktion zu “Editorial 01/2015

  1. Ja .. , das Verrückte beginnt schon damit , daß es Religionen gibt , die glauben sie könnten mit einer von ihr erfundenen sogenannten Erbsünde unseren Schöpfergott beleidigen .:: …………… Zwei Menschen die es nie gab , Eva und Adam , verursachen einen apfelbetonten Sündenfall den es natürlich auch nicht gab ! Zwei Menschen , die es aber gab , Apostel Paulus Anno 50 , mit seiner ungeheuren Beleidigung der Schöpfung Gottes ::: Alle Menschen werden in Sünde geboren , und Kirchenlehrer Augustinus Anno 425 , formten aus einem Sündenfall den es nie gab ; die berühmte , berüchtigte Erbsünde ! Unser jüdischer Bruder Jesus , der all‘ diese theologischen Hinterlistikeiten gar nicht kannte , soll die Menschheit dann rückwirkend und 400 Jahre vorrausschauend , von dieser Erbsünde , die es natürlich auch nie gab , selbstquälerisch erlösen ! Als Dank dafür , soll er dann noch im Sinne des Papstes Innozenz III. Anno 1215 , nach dem Ritus der Transsubstantiation genuss – und würdevoll verzehrt werden ! Nun stellt sich hier die katholische Frage :: Für wie naiv und minderbemittelt hält die Römische Glaubenslehre ihren Gott und seine Geschöpfe , uns Menschen ..? Einen freundlichen Gruß zu Ihnen !

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