Debatte Homo-Ehe: Spinnen die Römer oder irren die Iren?

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 02/2015

Text: Pater Georg-Maria-Roers, SJ

Für Asterix wäre das keine Frage. Die Iren haben per Volksentscheid definiert, was in Zukunft in ihrem Land eine Ehe genannt werden wird. Im Vatikan hält man das für irre: Wenn zwei Menschen sich die Treue versprechen, sind sie ein Paar. Es ist diese Tugend, die dafür sorgt, dass Kinder sich geborgen fühlen werden, egal ob die Eltern zwei Frauen oder zwei Männer sind. Was sagt Rom zu den abgefallenen Schäfchen auf der Insel? Wird die Autorin Leoni Swann einen neuen Krimi (Glennkill) schreiben, wo wieder Irlands Schafe Fälle lösen? Vielleicht diesmal in den Apostolischen Gärten des Vatikan? 2014 wurden in Rom die Chefs der Vatikanbank und der Schweizergarde entlassen. Wer wird der nächste sein? Kardinal Tarcisio Bertone sah zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch eine Verbindung. Dafür wurde er weltweit zu Recht kritisiert. Sein Nachfolger als Regierungschef des Vatikans, Pietro Parolin, spricht nun im Blick auf das Ja der Iren zur schwulen Ehe (same sex marriage) von einer Niederlage für die ganze Menschheit.
Die Katholiken auf der Insel sind mündig und sie sind müde geworden, was das Nachbeten von Lehrsätzen angeht. Sie haben den Bischöfen eine rote Karte gezeigt und die radikalen Protestanten in Nordirland an einer empfindlichen Stelle getroffen. Der katholische Weltkatechismus (von 1997) hat das Nachsehen, denn er meint, Homosexualität sei in ihrer psychischen Entstehung noch weitgehend ungeklärt. Das Lehramt forscht weiter und fordert nicht nur alle Christen auf, in ihrem Gefühlsleben keusch zu sein (2348), sondern vor allem Schwule: »Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft – durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern« (Nr. 2359). Sind nicht alle Christen dazu aufgerufen, Christus als Gewand anzulegen (Gal 3,27)? Wird hier nicht Politik auf dem Rücken einer Minderheit gemacht? Gleichgeschlechtlichen Paaren wird geltendes staatliches Recht auf eine Lebenspartnerschaft abgesprochen. Das Gesetz trat am 1. August 2001 in der BRD in Kraft. Wenige treten in unserem Land für die Rechte von Minderheiten ein.
Schwule Katholiken und lesbische Katholikinnen treten irgendwann einfach aus der Kirche aus. Wo man uns nicht haben will, wollen wir uns nicht aufdrängen. Ines Pohl schreibt in die tageszeitung (taz vom 30. 5. 2015): »Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich mich verpartnert.
Mit meiner Frau. Mein Leben ist seit der Feier an diesem sonnigen Freitag nicht mehr, was es vorher war. Ich hätte nie gedacht, wie wichtig es mir sein würde, die tiefe Wertschätzung dieser in Jahrhunderten eingeübten und ritualisierten Anerkennung zu erleben. Das Versprechen von Freundinnen und Freunden, von meinem Vater und von meiner Mutter unsere Partnerschaft zu tragen, unseren Bund zu beschützen und zu stützen, das hat etwas angerührt, wo mein Verstand nicht hinreicht. Das macht mich bis heute glücklich und stark.«
Das klingt doch sehr menschlich und christlich? Gott hat seinen Bund nicht umsonst mit Noah geschlossen (Genesis 9,12-17) und diesen Bund mit allen Menschen der Erde in Jesus von Nazareth erneuert. Die Erfahrung einer deutschen Journalistin passt, bis auf drei Worte, phantastisch zum Satz im Katechismus: »Die Geschlechtlichkeit berührt alle Aspekte des Menschen in der Einheit seines Leibes und seiner Seele. Sie betrifft ganz besonders das Gefühlsleben die Fähigkeit, zu lieben und Bande der Gemeinschaft mit anderen zu knüpfen« (2332).
Die Iren zeigen Menschlichkeit gegenüber einer Minderheit, auf deren Rücken nun das ausgetragen wird, was bisher ein traditionelles Eheverständnis war. Ihr Denkzettel hat Folgen, die die Iren zuerst zu spüren bekommen. Vor allem jene, die gegen das neue Eheverständnis sind. Ob die Bischöfe auf ihrer Synode in Rom im Herbst sich davon beeindrucken lassen werden? Oder eher von den beiden folgenden Stellungnahmen?
Auf der theo-facebook-Seite schreibt eine junge Frau im Mai: »Es braucht keine Homosexuellen, um die Institution der Ehe abzuwerten, das schaffen Heterosexuelle ganz alleine. Ebenso wie die Institution der Familie. Die Qualität einer Ehe oder Familie an der Sexualität der Ehepartner zu ermessen, liegt für mich irgendwo zwischen weltfremd und dumm.« Ist die Ehe wirklich die größte Prüfung, die Gott sich für uns Menschen ausgedacht hat? So formuliert es Yasmina Reza in ihrem Theaterstück von 2006: Der Gott des Gemetzels. Reza gehört weltweit zu den meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerinnen. Sie hat ein gutes Gespür für gesellschaftlich relevante Fragen.
Es gibt übrigens auch Stimmen, die gegen die Öffnung der Ehe für alle sind. Tilman Krause, leitender Feuilletonredakteur (Die Welt am 28. 05.) hält die Ehe ganz einfach für Hetero-Kitsch: »Zum homosexuellen Selbstbewusstsein gehört für mich ohne Wenn und Aber nach wie vor, dass man es eben gerade nicht wie die Heteros macht. Was, mit Verlaub, ist an den gegengeschlechtlich Empfindenden denn so großartig? Und außerdem: Wir sind nicht Kopie, wir sind Originale. Oder wir sollten es doch sein.«
Da darf man auf gut wienerisch fragen: Kennst di aus? //

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