Steen bleiben

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 03/2015

Nora Steen

Die evangelische Pastorin Nora Steen verkündet das Wort zum Sonntag, den deutschen Fernsehguckern ist sie ungefähr so bekannt wie Pfarrer Fliege. Ab September wird sie Deutschland verlassenund in Portugal arbeiten – aber sie wird bleiben, was und wie sie ist. Uwe Birnstein stellt sie vor.

Text: Uwe Birnstein

Stuttgart, 7. Juni, Schlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages. 95.000 Menschen sind gekommen. Ein Gospelchor singt, die Sonne spiegelt sich in den 4.000 Posaunen und Trompeten, die mit ihrem Getöse protestantisches Woodstock-Feeling aufkommen lassen. Und dann steht sie plötzlich da, die junge blonde Frau, zierlich, in schwarzem Talar mit roter Stola. Nora Steen, Pastorin aus Hildesheim. Selbstbewusst strahlt sie in die Menge: »Wisst ihr was? Ihr seht toll aus«, sagt sie mit fester Stimme und freundlichem Gesicht. Dann tritt sie in ein bewegendes Gespräch mit dem biblischen König Salomo ein. Der sei keine »romantisierte Kunstfigur einer vergangenen Zeit«, sondern ein »unbequemer Weiser«. »Dein Name, Salomo, bedeutet: Schalom. Friede. Und du weißt: In deinem Land wird es erst dann Frieden geben, wenn jede und jeder sicher und in Würde leben kann.« Dann richtet Nora Steen sich an die heutigen Christen: »Was wäre, wir wünschten uns ein hörendes Herz, wie Salomo? Wenn du mit dem Herzen hörst, siehst du die, die durchs Netz unserer Wohlstandsgesellschaft gefallen sind. Du entdeckst ihre Talente und suchst mit ihnen nach einer Perspektive, die ihnen einen Sinn im Leben gibt.« Am Ende strahlt sie noch einmal in die Menge: »Trauen wir Gott mehr zu als ein bisschen Sozialromantik: Einen Frieden, der die Welt umfasst.«
Der Gottesdienst geht weiter, wird wieder laut und bewegt. Aber die ruhigen Worte Nora Steens wirken nach. Offensichtlich hat sie den richtigen Ton getroffen, hat vom Glauben gesprochen und vom verantwortungsvollen Handeln in der Welt. Hat die Poesie der Bibel weitergetragen, ohne zur frommen Verinnerlichung aufzufordern.

[…]

Ende der Onlineleseprobe.

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