theo-Impuls: Schaut das Licht der Welt.

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 05/2015

Das internationale Jahr des Lichtes geht zu Ende. Die Vereinten Nationen hatten es ausgerufen: »Das Jahr soll an die B edeutung von Licht als elementare Lebensvoraussetzung für Menschen, Tiere und Pflanzen und daher auch als zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur erinnern. Wissenschaftliche Erkenntnisse über Licht erlauben ein besseres Verständnis des Kosmos, führen zu besseren Behandlungsmöglichkeiten in der Medizin und zu neuen Kommunikationsmitteln.
« Das Jahr stand unter dem Leitmotiv: Licht für Wandel. Ist Jesus von Nazareth für uns Christen nicht genau das? Ein Lichtpunkt in der Welt, in der es momentan sehr dunkel zu sein scheint. Wie oft hören wir, dass der erste Bibelvers lautet: im Anfang war das Licht. Tatsächlich heißt es aber in der Bibel: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war ein tohû wa vohû (wüst und wirr oder wüst und leer).« Aus diesen drei hebräischen Worten der Buber-Rosenzweig-Übersetzung ist dann unser Tohuwabohu geworden, das Chaos meint. Das göttliche Licht, das die Welt neu ordnet und neu gestaltet, verdrängt das Chaos. Das gilt auch heute. Doch wer vom Licht spricht, kann vom Schatten nicht schweigen.

An Weihnachten werden wir singen:

Ihr Kinderlein kommet …
»O betet: Du liebes, du göttliches Kind, /
was leidest du alles für unsere Sünd! /
Ach hier in der Krippe schon Armut und Not, /
am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod! (GL 248, 4)«

Diese Strophe ist für viele Christen zur Zeit mehr als Theorie. Bilder von Christen, die von Terroristen des sogenannten IS geköpft werden, waren in diesem Jahr traurige Realität. Zur Zeit sehen wir, wie die Alte Kirche vergeht und eine neue Zeit beginnt. Die von ihrem Ursprung her älteste christliche Kirche in Antiochien am Orontes, ein Gebiet,umtost vom Krieg, löst sich gerade auf. In der Syrisch-Orthodoxen Kirche beten die Christen bis heute das Vater Unser auf aramäisch, in der Sprache Jesu. Seine Kirche hat Paulus im Jahr 34 nach seinem Tod gegründet, in der heutigen Türkei, von wo vor 100 Jahren die Christen vertrieben wurden. Im Buch der Offenbarung (Kapitel 2-3) wendet sich Johannes an die dortigen sieben Gemeinden: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Lacodisea. An diesen Orten leben heute kaum noch Christen, sie sind ins Ausland gegangen. Es ist wie im heutigen Palästina, die Christen sind auf dem Rückzug. Und dennoch feiern wir jedes Jahr Weihnacht und am Sonntag Gottesdienst, der auf die Auferstehung Christi verweist. Von Osten kommt die Morgenröte, von Osten kommt das Licht der Auferstehung Jesu, das wir an Ostern feiern. Der Sonnengott, den die Römer am 25. Dezember feierten, wurde von dem Weihnachtsfest verdrängt, das die Geburt Jesu ins Licht rückt. Die christlichen Römer verehren nun nicht mehr den unbesiegten Sonnengott (Sol invictus), sondern den ohnmächtigen Gott, Jesus Christus. Im sogenannten Christushymnus imBrief an die Philipper (2,5f.) wird Weihnachten so gefasst: »Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.« //

 

Pater Georg Maria Roers (Bild: Sankt Michaelsbund)

Georg Maria Roers, SJ
ist Erzbischöflicher Beauftragter für die Bereiche Kunst und Kultur und Künstlerseelsorger der Erzdiözese Berlin.
E-Mail: georgmaria.roers@erzbistumberlin.de

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