10 Jahre Theo. Gott zum Gruße, Bruder Mönch. 500 Jahre Reformation.

// ABGEDRUCKT IN: THEO 01/2017

Mit diesem Heft feiern wir unser Zehnjähriges. Weil wir aber auch bloß ein kleines Licht sind im großen Weltgeschehen, wollen wir uns nicht allein bejubeln, sondern einreihen in einen Kreis von Persönlichkeiten und Ereignissen, die 2017 ebenfalls ein Jubiläum oder einen Jahrestag begehen.

Was sie alle verbindet? Der Glaube!

 

Gott zum Gruße, Bruder Mönch!
1517: Reformation

Ihr waret alle Zeit ein großer Briefeschreiber, mehr als 2500 Depeschen verdanken wir Eurer heftigen Schreibwut. So will ich nicht zurückstehen und wende mich in unser beider Jubiläumsjahr mit diesen Zeilen an Euch.
Ihr wollt es mir nachsehen: aber aus vollstem Herzen zu gratulieren im 500sten Jahr Eurer revolutionären Reformationstat bringe ich bei aller Demut doch nicht fertig! Für einen Abkömmling aus einer alten katholischen Familie dröhnen die Hammerschläge Eurer 95 Thesen aus dem Jahr 1517 noch immer zu laut in unseren Ohren, zu tief sitzt der Gram ob der folgenden Kirchenspaltung, zu schwer bis heute tun wir uns mit der streitigen Unversöhnlichkeit. Was haben wir nicht alles versucht, wir vermeintlich Rechtgläubigen. Euch und den Euren (und ja: auch uns) zu Gefallen haben wir uns mit Ökumene beschäftigt, wir würden ja gerne wollen und sind auch schon nähergerückt. Aber das Trennende zu trennen ist eben kein Selbstzweck, Entscheidendes bleibt zwischen uns!
Und ja, Ihr möget es gestatten: Ihr lebtet so sehr vom und für das Wort, dass alles dahinter zurückstand und es am End’ drum herum so karg wird. Wir Katholiken, so habt Ihr es wortgewaltig angeklagt, lieben eben bis heute genau dieses Drumherum: feierlich schön soll es sein, der Orgel Brausen hebt die Sinne und das Gemüt, ein bisschen Prunk, liebwerter Bruder, möcht schon sein!
Meinen Respekt, Magnifizenz, will ich Euch aber nicht versagen. Respekt vor so viel Mumm, so viel Mut vor Königsthronen, so viel brachialem Aufbruch. Vor allem aber: vor so schönen Gedanken, Texten und Liedern. Wenn wir heute verzagen wollen, weil die alte Welt aus den Fugen gerät, uns Mord und Totschlag umzingelt wie die Nattern die Füße der Wanderer, dann sollte uns Ihr grandioses Lied »Ein feste Burg ist unser Gott« in den Sinn kommen. »Und wenn die Welt voll Teufel wär, / und wollt uns gar verschlingen, / so fürchten wir uns nicht so sehr, / es soll uns doch gelingen. / Der Fürst dieser Welt, / wie saur er sich stellt, / tut er uns doch nicht; / das macht, er ist gericht: / ein Wörtlein kann ihn fällen.« Es ist das Gottvertrauen, das uns abhandenkam, die sichere Gewissheit, dass wir gehalten sind von einem, der uns auserkoren hat, der sein »Jerusalem« beschützt und bei all dem gnädig und barmherzig ist, wie Ihr nicht müde wurdet zu betonen.
Ihr dürft Euch bis heute darin mit unserem Franziskus einig wissen, einem Papst, der nach Eurem Gusto, vor allem nach Eurem Herzen gewesen wäre. Er sieht unsere Kirche in Gefahr, zu entrückt dem wirklichen Leben, zu fern den Bedürftigen, zu barock mit Kabale beschäftigt. Das macht ihn umstritten wie Ihr umstritten wart. Er wird Spalter gescholten wie Ihr. Ein deutscher Kardinal hat eben diese Parallele gezogen. »Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust«, lässt er Meister Goethe zu Wort kommen. Und das besonders »seit der Reformation, in dem sich die Deutschen in zwei Lager gespalten haben. Diese Spaltung durchzieht mittlerweile auch die katholische Kirche in Deutschland«.

Nein und dreimal nein: jetzt wart Ihr es nicht! Euch abermals die Schuld an einer Kirchenspaltung zu geben, geht zu weit. Frei heraus, wie es immer Eure Weise war: diesmal ist es nicht der Ablasshandel, diesmal ist es der Kampf um das letzte Wort!
So seiht gegrüßt, werter Martin Luther, bleiben wir in Christus verbunden, mit vorzüglicher Hochachtung, Ihr Albrecht von Croÿ

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