Abgeschieden

ABGEDRUCKT IN THEO 2/2017

Von Stephanie Härtel

theo 2_201_7AbgeschiedenDer Weg zur Abtei in der holländischen Provinz Geldernland unweit der deutschen Grenze führt über eine unbefestigte Waldstraße, die Abzweigung dorthin ist leicht zu übersehen. Es ist so ruhig hier, dass es beinahe wehtut, die Klingel an der Pforte zu bedienen. »Goede middag«, unbeeindruckt erscheint ein freundliches Männergesicht hinter der Holztür, ja, er werde Bruder Thomas sogleich holen.
Die Butzenscheiben an den Fenstern lassen nur gedämpftes Licht in das sorgfältig gestaltete Wartezimmer, bald schon tritt Thomas Frings hinein in dieses diffuse Licht. Und das ist durchaus sinnbildlich zu verstehen.
Es war im Februar 2016, als die Entscheidung von Pfarrer Thomas Frings, seine Gemeinde aufzugeben und eine Auszeit im Kloster zu nehmen, ordentlich Staub aufwirbelte. Seinen Schritt begründete er mit folgenden Worten: »Ich habe den Glauben daran verloren, dass der Weg, auf dem ich als Gemeindepfarrer mit Freude und Engagement gegangen bin, ein zukunftsweisender ist.« In einem vierseitigen Abschiedswort »Kurskorrektur « erläuterte er ausführlich die Gründe, machte niemandem einen Vorwurf. Gut sechs Wochen später trat der Pfarrer seinen schwersten Gang an und feierte in »Heilig Kreuz« den letzten Gottesdienst. Die Bestürzung einiger Gemeindemitglieder konnte ihn nicht umstimmen, klerikale Kreise kommentierten schmallippig seine Entscheidung. Bischof Felix Glenn immerhin zeigte Verständnis, hielt sich aber mit öffentlichen Verlautbarungen zurück. Dafür fasste der Personalchef des Bistums Münster, Hans-Bernd Köppen, bündig zusammen: »Was Thomas Frings beschreibt, erleben wir Priester heute doch alle. Aber die meisten von uns deuten es anders.«
Oder anders gesagt: Da macht ein Sonderling sich Luft, das zieht vorüber!
»Wenn Du wenigstens geheiratet hättest, das wäre eindeutiger für alle gewesen, der Bischof und der Zölibat wären schuld und wir könnten weitermachen wie bisher«, so drückte es damals ein befreundeter Priester gegenüber dem Amtsmüden aus. Andere Mitarbeiter des Bistums nannten ihn bedauernd »einen unserer Begabtesten, bekannt für ungewöhnliche Aktionen, die viel Zuspruch ernteten«. Einmal zum Beispiel ließ er die Bänke aus der Kirche räumen, damit die Gläubigen sich ihre eigenen Stühle mitbringen. Die Botschaft: Ein Christ ist heute selbst verantwortlich für seinen Platz in der Kirche und in der Welt. Konzeptkunst heißt so etwas in anderen Kreisen…

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