Impuls: Alles nur in Gottes Hand

// ABGEDRUCKT IN: THEO 03/2017

Was kann ein Einzelner tragen? Wieviel halten Schultern aus, wann versagen erst sie und dann die Knie? Weniger hochtrabend: Was kann ein Mensch eigentlich alles aushalten?

Die schnelle Antwort darauf derjenigen,  die wissen, wovon sie reden: »Mehr als Du denkst!« Es war lange genug populärwissenschaftlicher Glaubenssatz, dass ein jedes Schicksal immer auch Prüfung, gar Strafe für ein wenig gottgefälliges Leben sei. Heute wissen wir es besser: Schicksale, von denen in diesem Heft an mehreren Stellen beredtes Zeugnis geht, sind Bestandteil eines Lebens, dass der Schöpfer nicht fertig in unsere Hand gegeben hat, nicht mit der Garantie für ein sorgenloses Dasein, sondern mit Eigenverantwortung und dem Auftrag, sie zu formen und gestalten. » … Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, und machet sie euch untertan und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen« (1.Mose 1,28). Die Theologie kennt dafür die Formel des »Dominium terrae«, Herrschaft über die Erde.
Wo Herrschaft durch Eigenverantwortung, wo Gestaltungsfreiheit ist, da sind Sieg und Niederlage, Irrung und Zweifel, Fehler und Missgriff. Wer gestaltet, der greift auch daneben, wer formt, dem missrät eben auch. Schicksale und Leid sind heute für so viele »terra incognita«, weil die Verdrängung sie aus ihrem Blickfeld genommen hat, weil das moderne Leben davon nichts wissen will, weil es vor allem perfekt sein soll, weil es für fast alles Ver- und Absicherung gibt. Das vermeintlich runde, vorgeplante Leben verträgt nichts Eckiges, Unvorhergesehenes. Glaubende sollten es besser wissen, sie sollten den Ursprung von Fehlern und Misserfolgen, von Schicksal und Leid kennen. Es ist Gottes Wille, dass wir Menschen diese Erde gestalten, das ist ein Prozess, von dem er weiß, wann er abgeschlossen ist, nicht wir. Was wir wissen: wir sind nicht allein bei dieser fortwährend großen Aufgabe. Niemand hat diese Gewissheit so wunderbar in Worte gefasst wie der Dichter Arno Pötzsch. 1941, mitten in den verheerenden Wirren des Zweiten Weltkriegs, schuf er als evangelischer Marinepfarrer in Holland das wunderbare Lied:

»Du kannst nicht tiefer fallen /
als nur in Gottes Hand /, die er zum Heil uns
allen / barmherzig ausgespannt.« »Es münden
alle Pfade / durch Schicksal, Schuld und
Tod / doch ein in Gottes Gnade / trotz aller
unserer Not.« »Wir sind von Gott umgeben /
auch hier in Raum und Zeit / und werden in
ihm leben / und sein in Ewigkeit.«//

08e7d02

Albrecht von Croÿ ist Journalist und Unternehmensberater und Mitglied des theo-Kuratoriums.

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