Editorial 3/2018

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 03/2018
Liebe Leserinnen und Leser,

geht es auch anders? Fragen sich immer mehr Menschen angesichts einer völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Umwelt und einer fehlgeleiteten Globalisierung, von der nur die reichen Industrieländer profitieren. Leben in der westlichen, digitalisierten Welt heißt konsumieren bis der Arzt kommt – zumindest für einen Großteil der Gesellschaft. Im Überfluss drohen wir zu ersticken, während noch immer in einigen Regionen der Welt Menschen hungern. Doch wir sind zu schlaff, zu kraftlos geworden, um dieser Schande engagiert entgegenzutreten. Sattheit und Überdruss haben uns gelähmt, und eine solche Entwicklung wirkt sich gefährlich aus auf die Moral. Eine Antithese liefert Papst Franziskus, der sich vom Beginn seiner Amtszeit an für ein einfaches Leben entschied und unermüdlich mahnt, die Armen nicht zu vergessen. Vor allem konservative Katholiken empfinden die Haltung von Franziskus als skandalös, er beschädige damit das Amt, so meinen sie. Tut er das wirklich? Man braucht nur die Worte Jesu im Matthäus-Evangelium nachzulesen (Seite 21 im Text »Unterwegs zur Seele«) um zu erkennen, dass der Papst das Richtige tut, und dass die Welt ihn dringend brauchte. Das wußte auch der bekennende Christ und Starregisseur Wim Wenders, als er Franziskus darum bat, mit ihm einen Dokumentarfilm drehen zu dürfen – so etwas hatte es im Vatikan noch nicht gegeben. Der Film läuft zur Zeit in den Kinos, ein Interview mit Wim Wenders finden Sie in diesem Heft.

Besitz verlockt zur Sünde und die Anhäufung von Reichtümern entsittlicht den Menschen, das behauptete auch der russische Dichter Leo Tolstoi, von dessen Urenkelin Elisabet, die mit ihrer Familie sehr einfach im Allgäu lebt, ist in dieser Ausgabe auch die Rede.

Immerhin versuchen auch andere Menschen, sich aus Überfluss und Überdruss zu befreien und ihrem Leben eine neue Richtung und damit Sinn zu geben. Die angesagte Berliner Künstlerin Michaela Meise bekennt sich nicht nur zum katholischen Glauben (eine Rarität in der Kunstszene), sondern lässt sich zudem in einem sozialen Beruf ausbilden. Der Pfarrersohn Christopher Schacht reiste vier Jahre lang um die Welt, mit 50 Euro im Gepäck. Zurück in Deutschland studiert er jetzt Theologie.

Sophie Rosentreter, einst Model und MTV-Moderatorin, hilft heute demenzkranken Menschen, und in Berlin bemühen sich Thinkfarmer, Foodsaver und Carsharer in alten Fabrikräumen um eine gerechtere Welt.

Diese und etliche weitere Themen finden Sie in dieser Ausgabe, der letzten vor der Sommerpause. Genießen Sie die warme Jahreszeit und die theo-Lektüre.

Ihre
Brigitte Haertel und das theo-Team

Brigitte Haertel. Redaktionsleitung theo Magazin

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