Optimismus: Sind Goldene Zeiten im Anzug?

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 05/2018

Optimismus:

Sind Goldene Zeiten im Anzug?

Weisst Du noch, wir konnten fliegen?

Wider den Pessimismus: theo-Autor Albrecht von Croÿ entlässt uns in goldene Zeiten

 

Kennen Sie den: »Der Skeptiker zur deutschen Fahne: Ich sehe schwarz, dass wir bei so viel Rot noch goldene Zeiten erleben«. Übersichtlich witzig oder? Aber schön negativ, gell? So schön deutsch halt! Wir sehen eben immer gern Dunkles. Bleierne Zeiten statt Goldene Zeiten. Wenn wir Germanen, schwermütig wie wir geraten sind, Gegenwart und Zukunft bewerten, haben wir es gern schwer, gerät es uns schnell gravitätisch, metallisch gar. »Bleierne« Zeiten all überall, rufen die grauen Gesichter des Zeitgeistes und schlurfen wie zum Beweis »bleischwer« davon.

Bleierne Zeiten? Bekannt wurde der Ausdruck durch das 1801 entstandene Gedicht Der Gang aufs Land von Friedrich Hölderlin. Klar, konnte ja auch nur ein deutscher Lyriker draufkommen. Ein chemisches Element zur Beschreibung der Stimmungslage, sowas fällt nur Deutschen ein. Auch noch eines mit einem bezeichnenden lateinischen Namen »plumbum«. Ah, so lieben wir das: ein scheußliches Wort in scheußlichen Zeiten, zwei so hässliche Silben, ist das nicht schön?

Nein, ist es nicht! Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass wir Deutschen nur Gegenwart und Zukunft mit bleiernen Attributen versehen? Es ist alles grau und es wird alles grau werden, es ist alles »Blei« und es wird alles »Blei« bleiben. Die Nation geht unter, die Kirche geht unter, die Gesellschaft … ach die ist ja eigentlich schon untergegangen.

Nur wenn wir uns in der Vergangenheit bewegen, nostalgisch werden, uns zurückträumen, früher halt, wo bekanntlich alles besser war, dann plötzlich greifen wir zu schönen Attributen, dann plötzlich sprechen wir von »goldenen« Zeiten. Wie bezeichnend das Lied der Band »Unheilig« aus dem Jahr 2006: »Weisst du noch wo wir uns trafen,/Weisst du noch?/Weisst du noch worüber wir sprachen, Weisst du noch? Weisst du noch wovon wir träumten,/Weisst du noch?/Weisst du noch wir konnten fliegen,/Weisst du noch? Sag mir wo sind die goldenen Zeiten/Sag mir wo wie und wann waren sie vorbei/Sag mir wo sind die goldenen Zeiten/Sag mir wo wie und wann waren sie vorbei?«

Sie müssen jetzt stark sein für die Wahrheit: die »Goldenen Zeiten« sind nicht vorbei, sie sind eben kein Gegenstand der Vergangenheit, sie existieren in der Gegenwart, sie werden die Zukunft mehr bestimmen als wir deutschen Dauerpessimisten wahrhaben wollen. Nein, der Autor ist kein südländisch geprägter Luftikus, dem es an Urteilskraft fehlt, der Autor hat nur eine »Selbsttherapie für Pessimisten« erfolgreich angewandt.

Wie die geht? Sie nehmen das lateinische Wort für Gold: »Aurum«. Sie sprechen es immer wieder aus, probieren Sie es zunächst gaaanz langsam: A u r u m. Schön oder? Bewegt sich was bei Ihnen? Klingt, schwingt etwas mit plötzlich? Wenn sich beim Sprechen mit einem Mal Beschwingtheit einstellt, keine Angst, es ist nichts Schlimmes, Sie sind schon auf einem guten Weg, jetzt bloß nicht stehenbleiben.

Fortgeschrittene dürfen die Sprachtherapie, die umgehend auf ihre Stimmung durchschlägt, gern auch auf diese Worte ausdehnen: »tempora aurea – goldene Zeiten!«

Nutzen Sie den Advent, die Zeit des Ankommens, zum Ankommen. Kommen Sie an in den »goldenen Zeiten«! //

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