Literatur: Sophie von Maltzahn. Liebe in Lourdes

// theo. Katholisches Magazin. Ausgabe 04/2019
Literatur: Sophie von Maltzahn. Liebe in Lourdes. Ein Roman.

Die Autorin Sophie von Maltzahn hat ein wundersames Buch geschrieben – fast so wundersam wie die Erscheinungen in Lourdes.

Liebe in alle Richtungen

VON SVEN SCHLEBES
Foto: Kiepenheuer & Witsch

Vieles erscheint uns Protestanten am Katholizismus wundersam. Die Heiligenverehrung zum Beispiel, insbesondere die Marienanbetung und die Wallfahrt zu sogenannten Erscheinungsorten. Die wohl bekannteste Marienwallfahrtsstätte „Lourdes“ zieht seit über 150 Jahren Menschen mit ihren Hoffnungen, Ängsten und Wünschen in den Bann. Der Legende nach soll 1858 hier die Jungfrau Maria der jungen Bernadette Soubirous erschienen sein. Im Gespräch mit der Jungfrau Maria, die ich der Bernadette als weiße Dame mit dem Namen „Unbefleckte Empfängnis“ vorgestellt haben soll, legte Bernadette eine Grotte frei und eine Quelle, der heilende Kräfte zugesprochen werden.

Seitdem pilgern hier jedes Jahr Tausende von Menschen hin, um zu beten, erhört und geheilt zu werden. Besonders bekannt sind neben den vielen privaten Pilgertouren die organisierten Prozessionen kirchlicher Orden in all’ ihrer Pracht und Andersartigkeit.

Wer diesem Schauspiel des Kommen und Gehens auch nur einen Tag beiwohnt, vergisst, dass wir in einer Welt leben, in der die Ratio das Regiment übernommen hat und die Selbstoptimierung von Körper, Geist, Seele und Gemeinwesen in realen und virtuellen Lebenswelten die Zahl zum Dreh- und Angelpunkt für die Neuausrichtung des Lebens gesetzt hat. Keine Erscheinung. Sondern Berechnung. Einfach und klar. Unwiderlegbar. 1 + 1 = 2.

Lourdes erscheint da als ein kompletter Gegenentwurf. Gefühls- und glaubensbestimmt. Jenseitig. Bunt und widersprüchlich. Ein Theater von Merkwürdigkeiten, vollkommen aus der Zeit gefallen. Und doch kommen die Menschen, die einmal dort gewesen sind, immer wieder hier her. Wie in einen Supermarkt des Transzendentalen. Unser tägliches Brot gib uns heute.

Vor dieser Kulisse entwirft die Autorin Sophie von Maltzahn ihren zweiten Roman Liebe in Lourdes. Ihre Hauptdarstellerin, Kassandra, ist eine Berlinerin Ende 30, geschieden und auf der Suche. Nach einem neuen Leben. Einer neuen Ausrichtung. Sie fährt mit dem Malteserorden nach Lourdes, versorgt die mitgeführten Kinder, singt, lacht und verliebt sich. In einen Mitpilger, in die Stimmung vor Ort, die Geschichte von Bernadette und ein bisschen auch in die Maria. Sie lässt sich fallen und begegnet in dieser emotionalen und seelischen Öffnung der Heiligkeit des Lebens. Weich und strahlend, erhebend und leicht ver-rückt verbringt sie die vielleicht schönsten Tage ihres Lebens in dem Dorf in den Pyrenäen.

Das ist ein großer Stoff, vielleicht nicht ganz so groß im Stil. Voller Ecken und Kanten, Schlingen und Widersprüchlichkeiten. Doch Sophie von Maltzahn stattet ihre Protagonisten mit einem großen Herzen aus, das heller und wärmer strahlt als alle rationalen Fehler und Sonderlichkeiten, die wir Menschen in unserem Leben und Glauben erleben. Und die uns auszeichnen.

Kassandra lacht vor allem viel und lässt sich tragen von der Liebe. In Lourdes. Und nach ihrer Heimkehr im Alltag. Der danach gar nicht mehr so grau erscheint, sondern zunehmend licht wird und weiß.

Unbefleckt in einer befleckten Welt.

Ein Geheimnis der Liebe. //

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