Wir verkünden! Wir glauben! Wir bleiben!

// theo. Das unabhängige katholische Magazin. Ausgabe 02/2020

In eigener Sache

Wir verkünden! Wir glauben! Wir bleiben!

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Epochaler Abschnitt, historische Zeitenwende, überschrittener Rubikon? Nichts wird mehr sein, wie es war? Was ist geschehen am 18. März mit der Veröffentlichung des Gutachtens zum sexuellen Missbrauch in der Diözese Köln? Die FAZ schrieb noch am gleichen Tag, nicht nur in diesem Erzbistum werde man die jüngere Zeitgeschichte in eine Phase vor dem 18. März 2021 und eine Phase danach einteilen müssen. Ein Erzbistum erbebte, die katholische Kirche in Deutschland erstarrte. Namen von kirchlichem Weltrang im Zusammenhang mit Vertuschung, residierende Bischöfe werden beschuldigt, mehr an Täter- als an Opferschutz interessiert gewesen zu sein. Freistellungen von Weihbischöfen und gleichzeitige Gesuche um Demission beim Papst in Rom. „Schockwellen“ trifft die Stimmungslage bis zum heutigen Tag wohl am besten.

Wer kann und will bei alledem katholisch bleiben? Wer kann und will dieser zutiefst diskreditierten Institution Kirche, dem „Licht der Welt“ (Joh 8,12) angesichts von so viel Dunkelheit noch angehören? Ist es weiter zu vertreten, sie zu vertreten, sie gar zu verteidigen? Ist es noch zu verantworten, in diesen Zeiten ein „katholisches“ Magazin zu verlegen?

Wir Herausgeber von theo stehen für ein Blatt, das Geschichten vom Glauben erzählt. Geschichten von Menschen, die begeistert und begeisternd glauben, die voll Freude und Elan die Fackel weithin sichtbar tragen. Theo erzählt Geschichten von Menschen, die mit ihrem Glauben ringen, die hadern und doch im innersten überzeugt sind von der Botschaft der Liebe Christi. Und wir erzählen Geschichten von Menschen, die dieses Ringen und damit ihren Glauben verloren haben, die nicht zurückfanden und denen dies bis zum heutigen Tag nicht gelungen ist, weil der Zweifel gesiegt hat.

Zweifel und Verzweiflung aber sind originärer Teil von Glauben. Schon der Fels, auf dem unsere Kirche gebaut ist, war angenagt vom Zweifel. Petrus zweifelte in der Nacht im Hof des Hohen Priesters, als er seinen Herrn, der auf ihm seine „Kirche bauen“ wollte, dreimal verleugnete. Wir zweifeln, verzweifeln und verleugnen, wir hadern und ringen. Wir eifern und wissen besser. Aber wir bleiben!
Warum? Weil uns die Sehnsucht nach der Heilserwartung des Auferstandenen hält. Weil uns die grandiose Botschaft der „wahren Caritas“ trägt, einer der größten „Erfolgsgeschichten“ der Kirche: die Liebe, die Hingabe und Fürsorge für den Nächsten. Weil wir trotz allem Schund und Dreck von der Schönheit und Reinheit von Glauben überzeugt sind, weil wir – durchaus missionarisch – anderen diesen Weg zeigen und sie mitnehmen wollen. Weil auch wir „Fackelträger“ sind.

„theo“ ist eine Fackel, die wir Herausgeber tragen. Und die durch unsere Leserinnen und Leser leuchtet. Sie leuchtet durch Menschen, die Geschichten vom Glauben kennen wollen, die durch solche Geschichten ihrem Glauben Bestätigung geben oder neuen Schwung verleihen wollen, die vielleicht sogar durch unser Magazin Zweifel an ihren Zweifeln bekommen. Dieses Magazin will also, in aller Bescheidenheit, einen Betrag leisten, das „Licht der Welt“ aus seiner Dunkelheit zu holen.

Licht schwindet durch Schleier und Wolken. Das Licht der una sancta, der „einen, heiligen (Kirche)“ verschwand, weil sie sich als Institution zu sehr institutionalisierte, weil sie weltlichen Gehorsam forcierte, wo göttlicher angebracht gewesen wäre. Weil sie innere Verfasstheit so wichtig nahm, wo sie äußere Wahrnehmung gebraucht hätte. Weil sie, so der Kölner Kardinal Woelki, das „Ansehen der Kirche über alles“ gestellt hat. Auch über Verfehlungen, über Rechtsverstöße, über Verbrechen. Es war der Schein, der alles Tun bestimmte, nicht das Sein.

Der Jesuitenpater Klaus Mertes, durch den der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche 2010 öffentlich wurde, spricht vom „eigentliche Klotz“, der „unterhalb des Wasserspiegels“ schwimme: „Hierarchie, Verbände, kirchliche Gremien, Gemeinden und auch die kirchliche Presse, selbst die hierarchiekritische, kommen aus ihrer Selbstumdrehung nicht wirklich heraus.“

Wo der Schein das Sein bestimmt, entstehen Bürokratie und seltsame Hilfskonstrukte, die unentwegt wie ein Mobile um sich selbst kreisen (müssen). Es entstehen eine manische Sucht nach Kontrolle, eine Monologisierung von Dialog, eine eindimensionale Wahrnehmung, die schließlich in sorgsam orchestrierter, also gesteuerter Verlautbarung münden. Wer die Glorie um sich herum mit aller Macht beschützen muss, weil das Sein dahinter so erschreckend wenig davon hat, der wird zwanghaft und mit allen Mitteln über seinen Ruf wachen.

So war und ist auch kircheneigene Presse und Publizistik (mit gang wenigen Ausnahmen) Teil des verhängnisvollen Mobiles. Sie putzt und poliert bis heute den Schein, sie „verlautbart“. Verlautbarung gibt dem Bischof eine Bühne und dem „Apparat“ seine Sicherheit. Verlautbarung ist Austausch mit eigenen Kräften, sie ist Selbstvergewisserung für die Unanfechtbarkeit eigenen Tuns.
Wir Herausgeber haben vor einiger Zeit den Untertitel unseres Magazins um das Wort „unabhängig“ erweitert. Wir wollen und dürfen nicht Teil des institutionalisierten Mobiles sein, wir sehen uns nicht in der Selbstumdrehung von Hierarchie und kirchlichen Strukturen, wir wollen unabhängig davon eben nicht verlautbaren, sondern den Glauben verkünden.

Ohne Glauben ist alles (Katholische) nichts! Und ohne Verkündigung kein Glaube: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Römer 10.17). Wer glaubwürdig Gottes Wort verkünden will, muss frei sein, muss stark sein, muss auf der Höhe der Zeit sein (nicht „mit der Zeit gehen“), muss Grenzen und Mauern nicht fürchten. theo agiert auf Augenhöhe, ist frei von kirchen-immanentem Kontrollzwang. theo ist eine Fackel, deren Feuer unabhängig von einer jetzt diskreditierten Institution brennt.

Fackelträger brauchen Ausdauer und starke Arme. Wir lassen in diesen für die una sancta wahrlich harten Zeiten nicht die Hoffnung fahren. Stete Verkündigung der großartigen christlichen Botschaft hat noch alle Schockwellen überdauert.

Wir verkünden! Wir glauben! Wir bleiben!

Albrecht von Croÿ für die Herausgeber //

 

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