Editorial 02/2022

Die Vertreibung aus dem Paradies
Die Sehnsucht bleibt

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Sehnsuchtsheft in einer Zeit, die ihre Unschuld verloren hat? Krieg, Pandemie, Flucht, Vertreibung und Klimakrise führen uns einen Realismus vor Augen, den wir uns vor wenigen Jahren kaum hätten vorstellen können. Täglich sehen wir Fotos von Kriegstoten mitten in Europa, die Boulevardblätter platzieren weibliche Kurven und Brüste gleich daneben. So geht mediale Berichterstattung heute, die sich in ihrer Hilflosigkeit flüchtiger Bilder bedient: Die Nackten und die Toten.

Wer soll das ertragen? Ist das alles Normalität geworden? Der pandemiebedingten Sehnsucht nach Normalität hat das Schicksal im Frühjahr 2022 endgültig einen Riegel vorgeschoben. Sie wird es so schnell nicht wieder geben. Und doch: bemühen wir gerade mit dieser Ausgabe das Paradies und die Sehnsucht danach: weil erstens in unseren Breiten der Sommer heranschleicht und zweitens die Sehnsucht kaum jemals zur Ruhe kommt in uns Menschen. Und wenn es nur die Sehnsucht nach Frieden ist. Denn wo Frieden ist, herrschen paradiesische Zustände, das lernen wir gerade.

Bis in das Jahr 2019 hinein galten die Deutschen als Reiseweltmeister. Als das Virus anreiste, war erst mal Schluss mit dem Eskapismus. Es war zu kompliziert zu reisen, Quarantäne, Hochrisikogebiete und Ausgangssperren waren die häßlichen Wörter, die die meisten von uns zu Hause am Küchentisch festnagelten. Die Sehnsucht blieb: nach Sonne, nach Abenteuer, nach anderen Menschen. Jetzt, wo wir den Küchentisch verlassen und wieder in die Welt stürmen können, hält der furchtbare Krieg in der Ukraine die meisten von uns immer noch von ausgedehnten Fernreisen ab, zu unsicher und unüberschaubar ist die Weltlage. Jetzt sehnen wir uns nach Heimat, nach einer Bullerbü-Welt, die verloren scheint.

Ist da etwas, das wir in diesem Erdenleben nicht erreichen können? Eine unbestimmte, ungefähre Sehnsucht, die wir nicht benennen können und die nichts auf der Welt zu stillen vermag? Wir haben uns auf die Spur der Sehnsucht begeben, die sich so gern an paradiesischen Vorstellungen wärmt, die aber auch in vielen anderen Formen Ausdruck findet.

Genießen Sie trotz allem die wärmende Jahreszeit

Ihre Brigitte Haertel

 

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(Titelfoto) Titelfoto: avi11; (U2) Juan Goyache / unsplash

 

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