Heiligen-Raten

Heilige

 

»Regeln sind nicht beliebt in Zeiten, in denen sich alte Sinn- und Ordnungsstrukturen auflösen und der Einzelne gefordert ist, seinem Leben selbst Struktur zu verleihen. Doch wenn die Unübersichtlichkeit triumphiert, können Regeln Raum und Ruhe schaffen für die eigene Freiheitsentwicklung auf der einen Seite und die Gemeinschaftsbildung auf der anderen Seite. Voraussetzung ist, dass die Regeln leicht verständlich und umsetzbar sind. Dann werden sie plötzlich zu einem Gefäß, in das der Einzelne sein Leben gießen kann: innerlich befreit und fähig, das volle Potenzial auszuschöpfen.
Vielleicht mag Ihnen das fremd erscheinen in einer Zeit, in der die Befreiung von Zwängen jeglicher Art zur Lebensmaxime wurde. Doch als ich geboren wurde, trat mit der Spätantike eine ganze Geschichtsepoche von der Weltbühne ab und die anbrechende Völkerwanderung mischte die Karten komplett neu. Unsere Welt um 480 nach Christus befand sich im Aufbruch. Und jeder war auf der Suche nach seinem Platz. Ich hatte das Glück mit meiner Zwillingsschwester Scholastika in die Familie eines reichen Landbesitzers bei Nursia in Norditalien geboren zu werden. Uns mangelte es an nichts, und doch fehlte es mir am Wesentlichen: Einer inneren Erfüllung. Mit meiner Amme wurde ich nach Rom geschickt, um dort zu studieren.
Der Trubel der ehemaligen Weltstadt, die ihren Rang längst an Konstantinopel abtreten musste, war meine Sache nicht, und so suchte ich schon nach kurzer Zeit in den Bergen bei Enfide eine Einsiedelei, um dort mit der inneren Ausbildung zu beginnen. Auch hier war mir der Trubel mit den anderen Einsiedlerin zu groß, so dass ich mich für drei Jahre in eine Höhle bei Subiaco östlich von Rom zurückzog. Hier begegnete ich dem Schatten meiner Selbst, dem Bösen. Und ich widerstand.
Doch auch diese später »Heilige Grotte« genannte Höhle war nicht weit weg genug von der Zivilisation: Gottessucher wurden auf mich aufmerksam und suchten mich heim. Irgendwann baten mich sogar die Mönche des nahe gelegenen Klosters Vicovaro, ihren Convent als Abt zu leiten. Gottesfürchtig wie ich war, nahm ich diesen Auftrag an und bereute es bald. Nur wenige Mönche waren gewillt, mit der gleichen Entschlossenheit den Weg in der Nachfolge Christi zu gehen. So groß war der Widerwille, dass sie mich zu vergiften suchten. Doch das als ich den Kelch gereicht bekam, entwich das Gift dem Wein als kriechende Schlange, und das Gefäß zerbrach, als ich das Kreuz darüber zeichnete. Ich verließ die Gemeinschaft und versuchte erneut mit den Eremiten bei Subiaco eine neue Gemeinschaft zu gründen, ohne Erfolg. Diesmal war es ein Rabe, der das vergiftete Brot von meinem Teller stahl und mich so vor dem Tod bewahrte. Mit wenigen Getreuen sollte ich endlich in einem ehemaligen Apollontempel im heutigen Montecassino den Ort finden, an dem das christliche Ordenswesen des Mittelalters und der Moderne seinen eigentlichen Anfang nehmen sollte. Hier entstand unter meiner Leitung das Mutterkloster des späteren Ordens, dessen Organisation auf den einfachen, aber strengen Regeln der »Regula Benedicti« gründete. Das gemeinsame Leben in der Nachfolge des Herrn sollte fortan ganz von Sesshaftigkeit geprägt sein, einem zölibatären, demütigen und gehorsamen Leben. Unser Alltag sah feste Zeiten vor für regelmäßige Arbeit, sparsame Mahlzeiten, das innige Beten und intensive Schiftstudien. Dieser monastische Lebensentwurf war ein Kontrastprogramm zur Völkerwanderung, und doch schien es vielen Menschen Halt und die Orientierung für ein Leben mit Gott zu geben. Unsere Gemeinschaft wuchs rasch an und wurde zum wahren Segensquell. Mit der vollkommenen Ausrichtung unseres Lebens auf Jesus Christus hin und unterstützt von einem klaren Regelgerüst, durften wir Krankheiten heilen und sogar Tote vom Leben erwecken.
Als ich am Gründonnerstag 547 während des Gebets am Altar verschied, schickte Gott seine Engel, um meine körperliche Hülle auf einem Lichtteppich in den Himmel zu tragen.
Die meisten von Ihnen werden mich als Patron des Abendlandes und Europas kennen, als Patron der Schulkinder und Lehrer, der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede und der Sterbenden – und mich entsprechend anrufen. Ganz ohne Regel. Aber aus vollem Herzen.«

Wer bin ich?

Wenn Sie wissen, um welchen Heiligen/ welche Heilige es hier geht, schicken Sie uns bitte den vollständigen Namen bis zum 15. September 2014
per E-Mail an:
redaktion-duesseldorf (at) theo-magazin.de

oder eine Postkarte an:
Redaktion theo
c/o Brigitte Haertel
Gerhart-Hauptmann-Straße 11
40470 Düsseldorf

Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir das neue Gotteslob. Der Gewinner wird postalisch benachrichtigt. Das Los entscheidet. Ohne Gewähr.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Die Lösung des Heiligenratens aus theo 2/2014 lautet: Heiliger Antonius von Padua. Die Gewinnerin heißt Schwester Ehrengard aus Erlangen.
theo gratuliert.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Sie brauchen Hilfe? Dann durchstöbern Sie doch das www.heiligenlexikon.de. Hier finden Sie spannende Informationen.

Foto: (c) www.heiligenlexikon.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.