Liebe Leserinnen und Leser,

Brigitte Haerte. Redaktionsleitung theo Magazindas andere Geschlecht – so nennen wir diese Ausgabe, und dieses andere Geschlecht macht zur Zeit enorm von sich reden, und das nicht im besten Sinne: Terroristen, Vergewaltiger, Hooligans, Mörder von Polizisten und Politikerinnen, narzisstische Staatslenker in Russland und der Türkei, US-Präsidentschaftskandidaten mit Hetz- und Lügenpotential – alles Männer. Beinahe kann der Eindruck aufkommen, die Welt ist wieder einmal in den Händen skrupelloser Machos und Diktatoren.
Aber wer mag es schon bei einem solchen Befund belassen? Wir haben uns auf die Suche gemacht nach Hoffnungsträgern, nach Männern, die schon immer, vor allem aber in der Gegenwart, Licht in das Dunkel des Männlichkeitswahns trugen und tragen.
Die frohe Botschaft: Es gibt sie! Männer, die die Welt braucht, die erwachsen geworden sind und Verantwortung übernehmen für sich und andere. Einige fühlen sich unbehaust in der Unverbindlichkeit ihrer aufgekündigten Geschlechterrolle. Denn so manche Frau schreit heute wieder nach einem echten Kerl, der sie vor Attacken anderer Männer beschützt (Kölner Silversternacht). Doch die Männer haben das Zuschlagen verlernt, und das ist gut so. Stattdessen suchen viele nach einer neuen Rolle zwischen Karriere und Windelwechseln.
Seine Berufung längst gefunden hat der Kölner Generalvikar Dr. Dominik Meiering, er hat sich der Kirche und Jesus Christus verschrieben und mit uns darüber gesprochen.
Und da ist noch der Norddeutsche Udo Schroeter: er ist ausgestiegen aus dem Karriere-Karussell, hat den Jäger in sich entdeckt und lebt jetzt mit seiner Familie auf einer Nordseeinsel. Heute hilft er überforderten und ausgebrannten Männern in Seminaren zurück in ihre Männlichkeit und auch in ihre Spiritualität.
Für viele Männer sind Plattenläden so etwas wie Andachtsorte, theo-Autorin Bettina Burchardt weiß mehr darüber und auch über die Wiederauferstehung der guten, alten Schallplatte. »Jeder wahre Künstler ist zweigeschlechtlich«, diesen Satz hat Virginia Woolf niedergeschrieben und in der Tat sind es Künstler, Literaten und Intellektuelle, die den weiblichen Anteil in sich selbstverständlich leben und damit Polaritäten zusammenbringen. Wir erinnern an den Künstler und Dada-Mitbegründer Hans Arp, der vor fünfzig Jahren starb, vier sehr unterschiedliche Männer stellen Ihnen ihre außergewöhnlichen Gärten vor, und unser Autor Sven Schlebes lässt uns wissen, wie es ist, relativ spät im Leben Vater zu werden. Wieso schmeißt jemand seinen Job als Werber hin und tritt in den Franziskanerorden ein? Bruder Natanael, früher Jörg Ganter, hat darauf eine Antwort. Und Michael Brinkschröder engagiert sich in der ökumenischen Arbeitsgruppe »Homosexualität und Kirche« und hat uns mehr darüber erzählt. Eine Frau! steht als Schutzheilige aus gegebenem Anlass dieser Ausgabe vor: Wir wünschen Ihnen einen frohen Sommer und viel Freude bei der Lektüre.

Ihre

Brigitte Haertel und das theo-Team

 

Fotos rechte Spalte: (c) Tillmann Frantzen.

 

Printausgabe:
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Onlineleseproben Ausgabe 02/2016 (01. Mai 2016):

  1. Editorial 03/2016. Von Brigitte Haertel.
  2. Geistlicher Impuls: Warum wir im Außen keine Erfüllung finden. Von Pater Bertram Dickerhof SJ.
  3. Essay: Weil wir lieben. Von Sven Schlebes.