Liebe Leserinnen und Leser,

Brigitte Haerte. Redaktionsleitung theo MagazinLiebe Leserinnen und Leser,

nach einer langen Sommerpause melden wir uns mit dem Thema »Frauen« zurück, nachdem im letzten Jahr eine Armee von Männern eine ganze theo-Ausgabe bestritten hat.

Sieht man sich die letzten 50 Jahre der Weltgeschichte an mit all ihren wahnwitzigen Veränderungen, fällt auf, dass vor allem für Frauen das Leben sich dramatisch gewandelt hat. Waren sie bis in die sechziger Jahre hinein noch ausschließlich für das Wohlbefinden ihrer Familie zuständig und damit nicht nur wirtschaftlich abhängig von ihren Männern, kämpfen Frauen heute als Soldatinnen in Afghanistan, stellen als Polizistinnen Schwerkriminelle und lenken mit weichem Blick und harter Hand als »ewige Kanzlerin« eine ganze Nation. Vor allem in der Welt der schönen Künste und der Poesie (er)schaffen Frauen Erstaunliches, ein Bereich, der früher ausschließlich Männern vorbehalten war. Frauen sind sich ihrer Sexualität bewusst geworden, haben sich von den Bevormundungen von Kirche und Gesellschaft befreit. So sollte es sein.

Groß war einst der Traum der Feministinnen von der alles umfassenden Selbstbestimmtheit. Und weil Träume keine Grenzen haben, überschreiten heute viele Frauen vor allem im Netz den sogenannten guten Geschmack ganz locker. Nackte Femen-Aktivistinnen schreien nach Aufmerksamkeit und nach mehr Frauenrechten, auf Instagramm reißen sie sich gegenseitig die Hosen herunter, auf dass ihre Bikini-Bodys anderen Frauen als Vorbild entgegenprangen, überhaupt ist die Anbetung des Körpers so selbstverständlich geworden wie es früher der sonntägliche Gottesdienst war. Wir wollen das nicht bewerten, unser Autor Sven Schlebes weiß mehr zu berichten über Frauen und ihren Körperkult im Netz. Eine Frau ganz anderer Art ist Lioba Lichtschlag, seit über 30 Jahren leitet sie ehrenamtlich den Kirchenchor in der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt. Ein ausführliches Porträt fnden sie in diesem Heft. Oder die Berlinerin Leo Ritz: Als Bestatterin geht sie ganz neue Wege, vor allem in der Trauerbegleitung. Alfred Herrmann und Markus Nowak haben sie besucht und berichten auf den kommenden Seiten.

Die Theologin Julia Bielecki kämpft als Umweltschützerin für die Rechte der Tiere und erklärt selbst warum. Und Anke und Marika Gruber, ein lesbisches Paar aus Regensburg, muss auch kämpfen: für seine Rechte in einer Gesellschaft, in der Homosexualität noch immer nicht so ganz angekommen ist. Was die beiden sonst noch zu sagen haben, erfahren Sie im hinteren Heftteil. theo-Autorin Corina Gertz hat die »Schwesternschaft des Guten Todes« in Brasilien besucht, eine Gruppe von Frauen, die den Katholizismus mit überliefertem Geisterglauben würzt. Die spannende Reisereportage finden Sie auf Seite 48. Und dann erwartet Sie noch ein Porträt von Susanna FilbingerRiggert, der Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, der wegen einer Nazi-Affäre zurücktreten musste. Diese und etliche weitere Frauengeschichten beleben, so hoffen wir, diese theo-Ausgabe.

Genießen Sie die Lektüre und die bunte Jahreszeit

Ihre
Brigitte Haertel und das theo-Team

 

Fotos rechte Spalte: (c) Titelfoto: Luke Braswell / Foto U2 : Leio MacLaren

 

Printausgabe:
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Onlineleseproben Ausgabe 04/2017:

  1. Editorial 04/2017. Von Brigitte Haertel