Liebe Leserinnen und Leser,

Brigitte Haertel. Redaktionsleitung theo Magazin

alles gut?

theo meldet sich diesmal aus dem Sommerloch und muss gleich etwas klarstellen: Die Frühjahrsausgabe behandelte das Schwerpunktthema »Wir« – ein Gefühl stellt sich vor. Angekündigt war ein zweiter Teil, den Sie sicher in diesem Heft erwarten. Die Redaktion hat diesen zweiten Teil auf die Herbstausgabe verschieben müssen – ein Interviewtermin mit den Hauptbeteiligten kam erst einmal nicht zustande und wird uns in der Herbstausgabe beschäftigen.
Aber vorher lassen wir noch genüsslich den Sommer über uns hinwegziehen, die Allesgut-Zeit. In Deutschland ist die »alles-gut!«- Epidemie ausgebrochen: »Ich habe mir den Fuß gebrochen, und meine Firma ist insolvent, aber alles gut!« Dieser Satz ist mir neulich von einem Bekannten um die Ohren geflogen. »Alles gut?« ruft die Fahrradfahrerin quer über die Straße einer anderen Radlerin zu: »Alles gut«, jubelt diese zurück. Und was sage ich, wenn im Supermarkt mein Hintermann an der Kasse sich entschuldigt, nachdem er mir mit seiner Karre in die Kniekehle gesaust ist? Ja genau: Alles gut!
Warum sagen wir eigentlich ständig »alles gut«, besonders wenn es ziemlich mies läuft? Früher einmal hieß es: alles wird gut, in dieser Floskel lag ein Versprechen, hat es sich inzwischen erfüllt? Nein, niemals ist alles gut, aber der gute Augenblick ist ja schon viel wert. Mit dem »alles gut«! hat eine Floskel sich in unseren Sprachgebrauch gedrängt, die womöglich einen Mangel kaschieren und demonstrieren soll, dass wir alles im Griff haben, alles easy, alles super sozusagen! Im täglichen Selbstoptimierungswahn machen wir uns mit dieser Phrase selbst Mut und vergessen für einen Augenblick, dass wir in einer Welt und in einer Zeit leben, in der Schreckensmeldungen zum Tag gehören wie der Aufgang der Sonne. Deswegen: Genießen Sie unsere überwiegend schöngeistigen Themen: zwei Medienstars der beiden großen Kirchen erwarten Sie: Pater Anselm Grün und Pfarrerin Nora Steen. Beide erreichen Millionen, er mit seinen Büchern, sie mit ihrer Sendung – wie kann das sein in Zeiten schwindenden Glaubens?

Den theo-Impuls kennen Sie bisher von Pater Georg Maria Roers SJ, er behandelt in dieser Ausgabe ein politisches Thema, untersucht die Haltung der Kirche zur Homo-Ehe. Den Impuls lesen Sie diesmal von Klaus Hamburger, ebenfalls Seelsorger, der dem »durstigen Jesus« begegnet. theo-Autorin Katharina Martini hat sich von einer alten Mühle in der Eifel bezaubern lassen, und bevor es die Mühle nicht mehr gibt, soll sie auch Ihnen das Gefühl von Heimat vermitteln.

Sven Schlebes, zuständig für junge und zukunftsträchtige Themen, beschreibt ein Gemeinschaftsprojekt der Malteser mit Ashoka und die Street-Art-Künstlerin MissMe ist Sven Schlebes ebenfalls aufgefallen. Ansonsten war theo im Kloster Engelszell an der Donau unterwegs, dort brauen Trappisten sehr besondere Biersorten, und Teresa von Avila, vor 500 Jahren geboren, hat auch noch mal das Wort: Einen frohen Sommer!

 

Ihre
Brigitte Haertel und das theo-Team

 

Foto rechte Spalte: (c) Nick Diamantidis

 

Printausgabe:
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Onlineleseproben Ausgabe 03/2015 (06. Juli 2015):

  1. Editorial 03/2015. Von Brigitte Haertel.
  2. Spiritueller Impuls. Dem durstigen Jesus begegnen. Von Klaus Hamburger.
  3. Menschen im Portrait: „Mehr Grün.“ Pater Anselm Grün im Gespräch. Von Brigitte Schmitz-Kunkel. Leseprobe.
  4. Menschen im Portrait: „Steen bleiben.“ Pastorin Nora Steen im Gespräch. Von Uwe Birnstein. Leseprobe.
  5. Hüftschwung für die Frauenrechte. Von Markus Weckesser.
  6. Besser zusammen. MW Malteser Werke und Ashoka. Von Sven Schlebes.
  7. Debatte Homo-Ehe: Spinnen die Römer oder irren die Iren? Von Pater Georg Maria Roers, SJ.
  8. Liebe ist für mich Magie. Streetartist MissMe im Gespräch. Von Sven Schlebes.